Planbarkeit war gestern. Was heißt das für mittelständische UnternehmerInnen?

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“, schrieb Heraklit.
Wir Menschen leben in einem ständigen Widerspruch: Zum einen streben wir nach Veränderungen, vor allem, wenn wir damit eine Verbesserung herbeiwünschen. Zum anderen tun wir uns schwer, Altbewährtes loszulassen.
Veränderungen gehören zu unserem Leben dazu, wie das Salz in der Suppe. Aber sind wir mal ehrlich: die letzten drei Jahre haben in unglaublich rasanter Geschwindigkeit zu solch fundamentalen Änderungen geführt, dass viele das Gefühl haben, nicht mehr hinterherzukommen. Pläne, Strategien, Visionen wurden auf einen harten Prüfstand gestellt.
Was tun?
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Im Herbst 2021 befragte die Unternehmensberatung Staufen insgesamt 363 Unternehmen in Deutschland zum Thema „Unternehmen im Wandel“ für den deutschen „Change Readiness Index 2022“.

Hier ein paar wirklich interessante Ergebnisse der Studie, die zum Nachdenken anregen: 

  • 72% sagen, Veränderungen würden von oben vorgegeben
  • Bei Plattformen zum Querdenken bzw. eines Trend- oder Change-Radars sieht es ganz verheerend aus: in nur 16% wird quergedacht bzw. in 10 % das Radar angeworfen – jedoch fast 50% haben es nicht einmal angedacht … 
  • Bei 56% der befragten Unternehmen prallen unterschiedliche Generationen mit ihren Einstellungen, Fähigkeiten und Lebenszielen aufeinander. 
  • 48% der Befragten gaben an, ihr Management folge einem überholten Verständnis von Führung und Karriere.

Wen wundert es da, dass etliche Firmen in der Sackgasse stecken. Heute möchte ich Ihnen gerne einige Werkzeuge an die Hand geben, mit denen Ihnen das nicht passiert und Sie handlungsfähig bleiben. 

Wir arbeiten in Strukturen von gestern mit Methoden von heute an Problemen von morgen … das kann nicht funktionieren! 

„Die Zukunft wird nicht gemeistert von denen, die am Vergangenen kleben.“ Dies sagte schon Willy Brandt. Wer die aktuellen Krisen als Geschäftsführung und Unternehmen überleben möchte, muss sich diesen Herausforderungen stellen. Weglaufen oder den Kopf in den Sand stecken ist keine Option. 

UnternehmerInnen wünschen sich, ihre Pläne in ruhigem Fahrwasser umsetzen zu können. Wenn dies aber nicht geht, müssen sie die Größe zeigen, ihre Pläne über den Haufen zu werfen oder zumindest neu zu durchdenken und den neuen Situationen anzupassen. Dazu sind mehrere Meta-Kompetenzen gefragt: 

Nicht Funktionäre, sondern Persönlichkeiten sind in solchen Zeiten gefragt!

Ich werde nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass nur „echte“ Leader, die glaubhaft in dem sind, was sie sagen und tun, ihre Mannschaft als Team durch Veränderungen bringen. Es geht um Ärmel hoch und anpacken. Um Vorbild sein. Und vor allem DA zu sein, präsent. Nach wie vor verbarrikadieren sich viele Führungskräfte in ihren Büros und lassen sich nur vorbeihuschend beim Betreten und Verlassen der Firma blicken. 

Meiner Ansicht nach sind folgende vier Haltungen maßgeblich, um „in guten wie in schlechten Zeiten“ Führung wirkungsvoll zu gestalten: 

1. Transparenz 

Absichten müssen grundsätzlich transparent sein. Sie müssen erlebbar sein. 

2. Konsequenz 

Es gilt, a) ehrlich zu sagen, was man denkt und b) zu tun, was man sagt. Ganz geradlinig. 

3. Konsistenz und Verlässlichkeit

Heute hü und morgen hott ist Gift. Mitarbeitende müssen sich auf ihre Führungskräfte verlassen können. 

4. Respekt

Respekt bedeutet, ich bin bereit, meine Mannschaft mit ihren Bedürfnissen und ihrer Individualität zu sehen – jeden Einzelnen! Das ist das Eine. Es gibt aber auch den Respekt für die Sache. Es ist der Respekt vor der Größe, der Aufgabe, der Herausforderung, dem zu Erzielenden, dem gewünschten Erfolg.

Zeigen Sie Größe und lassen Sie je nach Sturm auch mal einen anderen ans Steuer. 

Der Chef kann alles? Nein! Es kann immer mal vorkommen, dass ein Unternehmen in eine Situation hineinmanövriert – aus welchem Grund auch immer – in der es durchaus Sinn macht, mal einen Schritt nach hinten zu treten und temporär den Kapitän zu wechseln. Wird dies mit Größe und Souveränität eingeläutet sowie ehrlich und authentisch durchgeführt, zahlt es sogar auf die Persönlichkeit des Unternehmers oder der Unternehmerin ein. Schließlich geht es hier nicht um eine Herabsetzung der Person, sondern ausschließlich um die Sache und dass diese bestmöglich umgesetzt wird. 

In meinem Buch „Wenn Turnschuhe nichts bringen – Der CEO-Code für starke Führungskräfte“ schrieb ich: „Das professionelle Loslassenkönnen muss in Zukunft Teil der Führungsaufgabe sein. Der Wechsel an der Spitze muss zum Normalzustand werden – ganz ohne Imageverlust.“ 

Dies erfordert ein generelles Umdenken in Unternehmen, Gesellschaft und Wirtschaft. Sprich: Es wird Zeit für einen fundamentalen Kulturwandel. 


 

Was Führungskräfte von Elefanten, Ziegen, Ameisen, Kröten, Fischen und anderen Tieren lernen sollten … 

Hand aufs Herz – wer hat nicht schon einmal davon geträumt, in die Zukunft schauen zu können. Auch wenn das ein Traum bleiben wird, ist es dennoch für Unternehmer und Unternehmerinnen zwingend notwendig, die Fähigkeit zu besitzen, seismographisch Veränderungen im Markt wahrzunehmen. Trends sind nicht von heute auf morgen da, sie entstehen – ausgenommen jetzt mal Katastrophen wie die Coronalockdowns ... So wie manche Tiergattungen Naturgewalten erspüren bevor diese losbrechen, sollten Führungskräfte, Unternehmer und Unternehmerinnen gravierende Veränderungen im Markt frühzeitig erspüren. Und sich auf diese Veränderungen einlassen und entsprechend handeln. 

Es gibt keine dauerhafte Garantie für Erfolg. Es gibt auch keine dauerhafte Garantie, dass eine Marke bis ans Ende der Tage DER Renner ist. Es gibt auch keine dauerhafte Garantie, dass die festgelegten Pläne, Strategien und Visionen in Stein gemeißelt sind. 

Unternehmen müssen die Fähigkeit entwickeln, schneller die Änderungen am Markt zu spüren als der Wettbewerb und die Zielgruppe – und sich diesen Änderungen anpassen. Die, die dauerhaft erfolgreich waren, sind diejenige, die sich immer wieder neu erfunden haben. Denken Sie an mein Beispiel von Twitter. Und wenn Sie es nicht tun, macht es ein anderer und Sie sind nur die Kopie … 

Seien Sie bereit für Veränderungen. Lassen Sie diese zu. 

Fragen Sie mal 10 Menschen, wer sich Veränderungen, egal welcher Couleur, wünscht. Da melden sich hochmotiviert und voller Vorfreude gleich 11. Dann fragen Sie mal, wer sich in diesem Zusammenhang freiwillig ändern würde. Betretenes Schweigen. Und dann fragen Sie weiter, wer diese unbedingt herbeigesehnten Veränderungen denn nun aktiv gestalten und steuern möchte. Und plötzlich stehen Sie alleine da. 

84% der Menschen haben Angst vor Veränderung. Das ist eine ganze Menge. Gehören Sie zu den 16%, die die Ärmel hochkrempeln, mutig voranschreiten und anpacken!