Was Neues? Ja bitte! Veränderung kann Spaß machen!

Wenn es eine Konstante in meinem Leben gab, dann war es die der „Veränderung“. Ich bin der felsenfesten Überzeugung: Jede Veränderung ist besser als der Status Quo! Sicher, es gibt die eine oder andere Veränderung, die nicht ganz freiwillig wie ein Tsunami über mich hereinschlug, aber ihnen ins Auge zu schauen, sie zu nutzen und zum Besten zu wenden, haben mich immer wieder ein Stückchen stärker gemacht. Dafür bin ich dankbar und gebe meinen Kunden als ressourcenorientierter Entwicklungs- und Karrierecoach und Resilienztrainerin dies mit für ihren Weg. Viktor Frankl sagte: „Leben heißt letztlich eben nichts anderes als: Verantwortung tragen für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt, für die Erfüllung der Forderung der Stunde.“
annette-traub.jpg
| Annette Traub

Kaltes Wasser scheue ich nicht – also immer schön hineinspringen!

Wenn ich so zurückblicke, war sicherlich eine der größten Veränderungen, die ich aus eigenem Antrieb anging, die meines beruflichen Werdegangs. Anfangs lief es noch ganz klassisch für meine Herkunft. Ich beendete die Realschule mit Bestnoten, machte meine Ausbildung zur Verlagskauffrau und arbeitete ein paar Jahre als kaufmännische Sachbearbeiterin. An der Tätigkeit war an sich auch nichts auszusetzen, aber ich merkte, dass es mich nicht gänzlich erfüllte. Ich entschied, die Fachhochschulreife abzulegen, um danach studieren zu können. Dies hatte es in meinem Umfeld so noch nicht gegeben und ich war alleine auf mich gestellt. Also machte ich mich auf den Weg, beantragte BAföG und realisierte meinen Traum.

Zu zweit in der Männerdomäne

Ich ging an die Fachhochschule für Druck und studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Das war mal was. Ich brauchte viel Mut, um das durchzuziehen und bereue nicht eine Sekunde. Wir waren in Summe 13 Studenten in meinem Jahrgang – 11 Männer und 2 Frauen. Eine herrliche Zeit. Wir verstanden uns alle prächtig und sich in einer männerstarken Umgebung zu behaupten, hat meine Studienkollegin und mich entwickeln lassen. Mein zweites Praktikum während des Studiums, welches ich in einer Unternehmensberatung absolvierte, läutete still und heimlich meine nächste große Veränderung ein. Als Praktikantin übernahm ich bereits sehr früh Mandate und wurde zu Kunden – hauptsächlich Druckereien – entsandt, um dort betriebswirtschaftliche Beratungen, Bilanzanalysen und Unternehmensbewertungen durchzuführen. Sicherlich auch aufgrund meiner kaufmännischen Ausbildung stellte ich mich da nicht ganz ungeschickt an und wurde während meines Studiums von der Unternehmensberatung gebeten, mein Studium in Rekordzeit zu beenden und bei ihnen fest zu arbeiten. Gesagt, getan – ich gab richtig Gas, machte meinen Abschluss und fing in der Unternehmensberatung an. Mit Sack und Pack ging es ins Ausland! Gut, ganz Ausland war es nicht, aber immerhin Dortmund. Aber das war nur ein kleiner Sprung, der richtig große Sprung ins große blaue kalte Nass geschah während eines Telefonats mit einem Kunden.

Na klar kann ich das  

Ich sehe mich noch heute in meinem neuen blitzblanken Büro sitzen und den Hörer in die Hand nehmen. Ich bekam gleich zu Anfang meiner Zeit in Dortmund einen Kunden zugeteilt, der nun anrief und mir erklärte, dass er ein Modul in seinem Kalkulationsprogramm programmiert haben wolle. Kurz zum Verständnis: Wir verkauften eine eigene Software und sollten als Berater diese Software bei unseren Kunden implementieren und durch Programmierung individualisieren und anpassen.

„Alles klar, wunderbar“, sage ich, lege den Hörer auf, atme tief durch, gehe zu meinem Kollegen und sage: „Du, ich habe überhaupt keine Ahnung von Programmierung. Was mache ich denn jetzt eigentlich?“ Leider konnte mir keiner weiterhelfen und so blieb mir nichts anderes übrig, als zu springen, ins kalte Wasser und die Untiefen der DOS-Programmierung kennenzulernen. Mit viel Fleiß und Durchsetzungswillen habe ich mir das Codieren selbst beigebracht. Gott sei Dank, denn bei meinem nächsten Job im Controlling einer Druckerei in Stuttgart sollte mir dieses Wissen von großem Nutzen sein. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn die Druckerei um die Jahrtausendwende nicht in eine wirtschaftliche Schieflage geraten wäre. Die Stimmung im Haus schlug so negativ um, dass ich für mich beschloss, den nächsten Sprung zu wagen – ich machte mich selbstständig. Und noch viel spannender: ich gründete mit einem kleinen Verein ein Seminarhaus für Krebskranke mit dem Schwerpunkt „alternative Krebstherapien“.

Statt Zahlen, Daten, Fakten betreute ich nun Menschen mit großem Leid

Hätte ich es gemacht, wenn ich gewusst hätte, wie es ausgeht? Ich weiß es nicht. Schließlich war diese Zeit eine ganz besondere … Es fing an, dass ich ursprünglich in dem Verein lediglich die Büroorganisation machte und der erste Ansprechpartner am Telefon war, wenn jemand anrief und sagte: „Ich bin an Krebs erkrankt und brauche Hilfe.“

Peu  peu betrat ich therapeutisches Neuland und absolvierte eine Ausbildung nach der anderen. Das unglaubliche Leid dieser Menschen war mein Treibstoff und ich wollte ihnen so gut es ging zur Seite stehen. Ich machte Weiterbildungen zum Krebsberater, in Energiearbeit, in Ernährungsthemen speziell für an Krebs Erkrankte, beschäftigte mich mit Themen wie Entgiftung und alternativen Therapiemethoden. Unser Verein fand viel Zulauf, so dass wir entschieden, ein Seminarhaus zu bauen. Jeder Gesellschafter steckte eine Unmenge Geld hinein. Es lief fantastisch. Wir konnten vielen Menschen helfen. Und dann brachen wir auseinander. Und ich stand auf der Straße, ohne Job, von der Privatinsolvenz bedroht.

Was hat mich stärker gemacht? Ich glaube fest: das Leben! Es ist gar nicht so spektakulär. Jeden Tag leben, jeden Tag bewältigen. Jeden Tag mit dem, was man geboten bekommt und schauen, was man daraus macht, ohne groß darüber nachzudenken. Was könnte sein oder was könnte passieren? Das ist sicherlich ein Geschenk, welches ich mit auf die Welt bekommen habe, dass ich nicht mit meinen Ängsten und Selbstzweifeln in dieser harten Zeit untergegangen bin. Man wächst am Leben, man wächst an dem, was einem tagtäglich geboten wird. Mein Thema war und ist, Lösungen zu finden. Das ist eine Form der Resilienz, die mir geschenkt ist. Und als ich 2008 von heute auf morgen mit einem riesigen Berg an Schulden, ohne Job und ohne Perspektive dagestanden bin, bin ich in eine Art Notfallmodus gegangen, habe mir meine Tagesstruktur festgelegt und abgearbeitet. Etwas aushalten müssen hört sich leichter an, als es zu tun. Dass es gelingen kann, heißt, die Wurzeln, die uns dabei tragen, aufzuspüren, die Ressourcen anzuzapfen, den inneren Kompass wahrzunehmen und sich leiten lassen. Auch in der Arbeit mit meinen Kunden, die sich in der beruflichen Neuorientierung befinden oder den Wunsch nach einer Veränderung in sich spüren, kann ich meine Lebens-Erfahrungen, vor allem meinen unerschütterlichen Optimismus – immer das Gute suchend weitergeben. Manchmal anstiftend, manchmal mit Impulsen und immer als Sparringspartnerin.

Wir tragen alle Lösungen in uns – wir müssen sie nur aktivieren!

Veränderungen gehören zu unserem Leben dazu wie die Luft zu atmen. Augen und Ohren verschließen, ignorieren, verleugnen ist pure Zeitverschwendung und kostet unnötig Energie. Sie jedoch anzunehmen und das Beste aus ihnen zu machen – egal, wie belastend die Veränderung ist – führt nach vorne, gibt uns Stärke, macht uns mutiger, selbstsicherer. Und schlussendlich findet jeder seine stimmige Lösung und persönliche Klarheit für die Zukunft. Selbstwirksamkeit und Resilienz sind die Kompetenzen, an denen ich mit meinen Kunden arbeite. Was ist mein Credo? Wir tragen alle unsere Ressourcen, die wir brauchen, in uns und nichts ist selbstverständlich! Überall dort, wo wir unsere Sinne wachhalten, erfahren wir neues Wissen oder neue Emotionen. Wenn es gelingt, die Wertschätzung für uns selbst wieder zu aktivieren, spüren wir unsere Selbstwirksamkeit und kommen so in die notwendigen Veränderungsschritte. Das wir es bei all unseren Veränderungsthemen immer mit Kopf und Bauch zu tun haben, ist mir in meiner Arbeit mit den Menschen, die an Krebs erkrankten, besonders eindrücklich begegnet. Was hat die Seele, das Unterbewusstsein mit uns als rationalem Menschen zu tun? Nicht alles, aber sehr viel. Daher ist es für mich wichtig, immer einen ganzheitlichen Blick auf meine Kunden zu haben. Und folgerichtig habe ich immer wieder Ausbildungen gesucht und gefunden, die Kopf und Herz angesprochen haben. Ob als Energietherapeut, Resilienztrainer oder Karrierecoach – aus all diesen Erfahrungen schöpfe ich meine Impulse für Perspektivwechsel und auch Perspektiven über das Heute hinaus.

Tatsächlich kam in allergrößter Not etwas Neues auf mich zu. Es war wie ein Dé­j-vu. Auf einem Seminar unterhielt ich mich in der Pause mit einer Teilnehmerin. Und am nächsten Tag trafen wir uns wieder und sie fragte mich: „Hast du nicht Ahnung von Bewerbungstraining?“ Natürlich hatte ich keine Ahnung, außer von meinen eigenen Bewerbungen, die aber ein paar Jahre zurück lagen. Mit großer Zuversicht sagte ich der Seminarteilnehmerin: „Ja, klar kenne ich mich aus!“ Das war der Beginn einer neuen spannenden Reise, in der ich mich wieder einmal neu erfunden habe. Heute, nach über 14 Jahren, begleite ich als Entwicklungs- und Karrierecoach immer noch voller Herzblut Menschen in ihrer beruflichen Neu- und Umorientierung. Die Frage nach einer beruflichen Veränderung kommt als Entlassung auf uns zu oder wenn ich mich an meinem Arbeitsplatz nicht mehr wohlfühle, meine Potenziale nicht mehr ausleben kann. Jetzt gilt es, mit ganzheitlicher Sicht gemeinsam mit den Kunden die Ressourcen zu heben und sie optimal zur Außendarstellung zu bringen.

Viele Dinge sind einfach in meinem Leben zu mir gekommen und von denen wusste ich sofort, das passt punktgenau zu mir. Wären meine „Kanäle“ verschlossen gewesen, hätte es mich um viele Bereicherungen gebracht. Vor allem, da es ab und an Themen waren, bei denen ich rational gar nicht gedacht hätte, dass sie für mich stimmig sind.

Gegensätze ziehen sich an …

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Mensch bin, der nach der Devise „sowohl als auch“ und nicht „entweder oder“ lebt. Vielleicht liegt es an meinem Sternzeichen „Zwilling – den Ausgleich suchend – nichts ausschließend“. Ich bin auf der einen Seite zahlenaffin, pragmatisch, strukturiert und andererseits zukunftsorientiert, flexibel, kreativ, mutig wagend. Ich habe sowohl im Controlling als auch in der Arbeit mit den Menschen meine Kompetenzen und Leidenschaften entdeckt – wenn das mal keine Gegensätze sind.


Annette Traub

Annette Traub weiß, wovon sie spricht. Veränderungen ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Von der Verlagskauffrau zur Diplom Wirtschaftsingenieurin, über die ganzheitliche Krebsberaterin hin zur Entwicklungs- und Karrierecoach und Resilienztrainerin. Wenn es um berufliche Neuorientierung, den persönlichen Umgang mit Herausforderungen oder schlicht die Frage „was kann ich noch erreichen?“ geht, begleitet sie ihre Kunden mit beruflicher Expertise und ihrer Lebenserfahrung. Ihre Kunden schätzen ihre offene und konstruktive Art. Sie arbeitet die relevanten Sachverhalte im Gespräch schnell heraus. Auch kritische Aspekte werden hinterfragt, um Denkanstöße für den Veränderungsprozess zu geben. Mit einem sehr guten Gespür schärft sie den Blick ihrer Kunden auf einen für sie passenden Weg. Ihre klare und unmissverständliche Outside-In-Perspektive ist ihr Leistungsversprechen an ihre Kunden. Sie begleitet sie beim Reflektieren der eigenen Persönlichkeit, Kompetenzen, Werte und Erfolge, um weitere Potenziale zu erkennen und diese in Zukunft zu nutzen. Dabei motiviert Annette Traub, auch neue und unkonventionelle Perspektiven einzunehmen.

www.annette-traub.de