Employer Branding – die Antwort auf den Fachkräftemangel?

„Der Fachkräftemangel erreicht in Deutschland einen neuen Höchststand“, so die Pressemitteilung der ifo vom 2. August 2022. Die Tagesschau schreibt am 12.08.2022: „Zwischen Juli 2021 und Juli 2022 fehlten in Deutschland über alle Berufe hinweg mehr als eine halbe Million Fachkräfte. Das geht aus einer Studie des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln (IW) hervor. Insgesamt fehlten 537.923 qualifizierte Arbeitskräfte.“ Das ist mal ne Hausnummer!
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Was sind die Ursachen? – 3 Gründe für den Fachkräftemangel

Die allseits bekannte Alterspyramide … 

Der Begriff „demografischer Wandel“ ist uns seit vielen Jahren geläufig. Das Statistische Bundesamt bringt es auf den Punkt: „Der demografische Wandel ist in Deutschland längst angekommen. Die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen verschieben den demografischen Rahmen in bisher nicht gekannter Art und Weise. Jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre.“ Die Folge: Deutschland verliert jedes Jahr Dank des demografischen Wandels auch immer mehr Arbeitnehmende. Laut einer Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft werden allein dieses Jahr über 300.000 Personen mehr in den Ruhestand gehen, als in den Arbeitsmarkt eintreten. Bis 2030 wird diese Lücke sogar auf 5 Millionen Menschen wachsen. Die Jobs sind da – die Mitarbeitenden weg.

Bildungsnotstand in Deutschland

Noch immer gilt in Deutschland das Prinzip: Je höher der Bildungsgrad, desto höher die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 2020 verließen in Deutschland mehr als 47.000 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Hauptschulabschluss, so die Daten des Statistischen Bundesamts. Ihnen bleibt nur ein Leben von Aushilfsjob zu Aushilfsjob und dem Arbeitsmarkt entgehen potenzielle Fachkräfte. 

Abwanderung deutscher Fachkräfte

Ein weiterer Fakt ist, dass viele unserer gut ausgebildeten Fachkräfte ihr Glück im Ausland suchen und finden. Niedrigere Steuern oder ein besseres Forschungsumfeld locken vor allem die gut ausgebildeten deutschen Fachkräfte in die USA, Schweiz, nach Österreich oder Kanada. 

Was tun? 

Lösungen für den demographischen Wandel, Bildungsnotstand oder das deutsche Steuersystem kann ich leider keine bieten, aber die Unternehmen haben viele Möglichkeiten, Fachkräfte zu finden, zu halten und zu binden. Die Antwort lautet: Employer Branding – die Arbeitergebermarkenbildung.

Employer Branding – die Arbeitergebermarkenbildung

Employer was? 

Viele sitzen dem Irrglauben auf, Employer Branding wäre so etwas wie Corporate Branding. Falsch! Corporate Branding ist die Markenstrategie, um ein Markenimage aufzubauen. Die Zielgruppe ist hier der Kunde, der Markt, die Stakeholder. Beim Employer Branding stehen die potenziellen und bestehenden Mitarbeitenden im Mittelpunkt. Mittels der Arbeitgebermarke präsentieren Sie sich als attraktiven Arbeitgeber. Im Fokus stehen dabei Ihre Unternehmenskultur, Ihre Werte und Visionen aus Ihrem Unternehmensleitbild, Ihre interne und externe Kommunikation. ABER VORSICHT: Authentisch, ehrlich und echt. Wer ein X für ein U verkauft, erleidet einen irreparablen Imageverlust. Zusätzlich laufen Sie Gefahr, die falsche Zielgruppe anzusprechen, wenn Sie sich mit der eigenen Wunschvorstellung von sich auf dem Arbeitsmarkt präsentieren. 

Wie Employer Branding beim Recruiting helfen kann

Aufgrund des hohen Fachkräftemangels können sich diese ihren Arbeitgeber quasi aussuchen. Sie suchen nach einem Unternehmen, welches zu ihnen passt und nicht umgekehrt – sie suchen nach dem für sie besten Arbeitgeber. Eine authentische und starke Arbeitgebermarke ist da ganz klar von Vorteil, um für neue Mitarbeitende interessant zu sein. Je authentischer, offener und ehrlicher Sie sich mit Ihrer Employer Brand präsentieren, desto einfacher haben es zukünftige Mitarbeitende, sich für Ihr Unternehmen zu entscheiden. Im Bereich des Recruitings kommen das Employer Brand Management und Personalmarketing nicht umhin, verschiedene Strategien zu entwickeln. Folgende Trends und interne als auch externe Maßnahmen konnten wir in den letzten Jahren beobachten und begleiten.

Entwickeln Sie ein lebendiges Leitbild

Das Leitbild ist einer der wesentlichen Faktoren im Employer Branding, um am Markt mit einer Botschaft sicht- und erlebbar zu werden. Im Leitbild wachsen Purpose und Vertrauen zusammen und das gibt der Arbeitgebermarke erst den richtigen Kick. Zudem spiegeln Unternehmensleitbilder die Identität des Unternehmens und die Unternehmenskultur wider. Mitarbeitenden und potenziellen Bewerbenden fällt es schwerer, einem Unternehmen zu vertrauen, das ohne Ziel und Vision bzw. ohne klares Unternehmensleitbild unterwegs ist. Ist das Unternehmensleitbild jedoch greifbar und echt, führt es dazu, dass sich die Mitarbeitenden und Interessenten mit dem Unternehmen identifizieren. Sie binden sich aus eigenem Wunsch an das Unternehmen und gehen mit ihm durch dick und dünn.

Globales Recruiting

Viele Unternehmen denken im Bereich des Recruiting immer noch viel zu regional, maximal überregional, aber was ist darüber hinaus? Wir müssen viel globaler denken. Gute und passende Mitarbeitende sitzen nicht im Nachbarkaff – schon gar nicht bei dieser demografischen Entwicklung. Und da muss ich sagen, hat die Pandemie nicht nur schlechtes verursacht. Ohne sie wäre immer noch nichts Richtung New Work passiert. Ohne sie würden Arbeitgeber immer noch behaupten, Arbeiten im Homeoffice sei unproduktiv. Die vergangenen beiden Jahre haben gezeigt, dass es doch geht! Recruiting wird zu einer globalen Personalmarketing-Maßnahme. Wenn der passendste Texter, Programmierer oder Grafiker in Timbuktu sitzt, kann der jetzt für mich arbeiten und muss nicht ins hessische Hinterland ziehen. 

E-Recruiting – die grenzenlosen Möglichkeiten des world wide web

Social Media Recruiting bzw. E-Recruiting wird zu einem der wesentlichen Faktoren, wenn es um das Gewinnen von neuen Mitarbeitenden, Fach- und Führungskräften geht – vorausgesetzt, man hat das mit dem Schritt vom regionalen hin zum globalen Denken verstanden. Das Internet vergisst nicht. Ich kann mich immer nur wieder wiederholen – wenn Sie als Arbeitgebermarke auf den Markt gehen, setzen Sie sich gerne in Szene, aber inszenieren Sie bitte nicht.

Fazit: Ist Employer Branding die Antwort auf den Fachkräftemangel?

Wie bei allem gibt es kein „entweder oder“, aber Employer Branding ist sicher ein Schlüsselfaktor, um Fachkräfte zu finden und zu halten. Denn Employer Branding ist mehr: eine Investition in die Mitarbeitendenbindung durch eine gelebte Unternehmenskultur und einen aufrichtigen Umgang miteinander. Die Krise, das allgemeine Misstrauen, die jahrelange Distanz erfordern von den Arbeitgebern Maßnahmen, um ihre Mitarbeitenden aufzufangen. Aber dies ist ein anderes spannendes Thema!

Sie möchten sich zu dem Thema mit mir austauschen? Schreiben Sie mich an und lassen Sie uns ins Gespräch kommen.


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