Kommunikationskultur – Dein Blickwinkel ist falsch

In vielen Coachings und Beratungen berichten Führungskräfte von ihren Herausforderungen in der Kommunikation mit anderen. Sie berichten von Aussagen wie: „Das siehst du völlig falsch.“ „Auf welchem Planeten lebst du denn?“ „Heute schon gedacht oder schon beim Denken falsch abgebogen?“ Schon im privaten Umfeld ein Unding, aber in der Berufswelt? Ein absolutes No-Go!
Wie kommt mein Gegenüber dazu, solche Aussagen zu tätigen? Was ist denn überhaupt richtig und was ist falsch? Wer ist der Schiedsrichter in solchen Bewertungsspielchen? Wo ist da die Sachlage? Und: Was steckt dahinter?

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Was ist der Bezugsrahmen, aus welchem wir miteinander kommunizieren? 

Es ist tatsächlich spannend, sich einen Konflikt in der Kommunikation mal näher zu betrachten. Wir diskutieren und streiten oftmals gar nicht mehr über den Inhalt, sondern darüber, welche Ansichten die richtigen sind. Sprich: welcher Bezugsrahmen, aus der wir diese Situation beurteilen, eigentlich der richtige ist. Das heißt, zwei Bezugsrahmen steigen in den Ring, kämpfen darum, wer die richtige Antwort und den richtigen Blickwinkel hat. Und das wird bis aufs Messer verteidigt. Die Inhaltsebene hingegen bleibt draußen stehen und betrachtet das Gehaue und Gesteche kopfschüttelnd von außen. Ich schätze, in 90 % der Konflikte gerade in Unternehmen ist es an der Tagesordnung, so zu interagieren. Und das verrückte ist, die meisten sind sich dessen gar nicht bewusst … 

Ich sehe was, was Du nicht siehst. 

Neulich stand ich mit meinem Sohn auf der Terrasse. Wir unterhielten uns über Konflikte. Und dann fragte er mich: „Papa, könnte man denn diese oder jene Konfliktsituation auch anders lösen?“ Ich überlegte kurz, wie ich ihm das am anschaulichsten erkläre und kam auf eine Idee. Wir haben eine kleine Dackeldame und wenn ich morgens mit ihr noch nicht richtig Gassi gegangen bin, gehe ich mit ihr kurz auf die Wiese. Und natürlich habe ich dann diese kleinen Beutelchen dabei. Die sammle ich in einen blauen Eimer hinten auf der Terrasse, bevor es zur Tonne geht. 

Als mein Sohn und ich das Gespräch führten, lagen zwei kleine Tütchen darin. Ich nahm ihn, drückte die Tütchen in die Ecke und stellte den Eimer so zwischen uns, dass wir beide 2m entfernt waren und nur ich die Tütchen sehen konnte. 

„Silas, was siehst du im Eimer?“ „Da ist nichts im Eimer.“ „Noch mal, was ist da drin?“ „Wenn ich es doch sage: nichts!“ „Sag mal, bist Du blind oder was, logisch ist da was drin. Da sind zwei Tüten drin. Das sieht doch ein Blinder mit Krückstock, dass da was drin liegt.“ 

„Weißt Du Silas, das ist genau das Problem. Wenn wir in Konfliktsituationen sind, sieht der eine die Tüten im Eimer und der andere nicht, aber jeder will den anderen davon überzeugen, dass nur der eigene Blickwinkel der richtige ist.“ Ich nahm ihn an den Arm und brachte ihn auf meine Seite des Eimers. „Rechnest du mit der Wahrscheinlichkeit, dass man die Dinge auch aus einem anderen Blickwinkel beurteilen könnte?“ „Na klar.“ „Was glaubst du, wärest du, wenn du jetzt nein gesagt hättest? Es wäre die Enttarnung eines Ignoranten, der einfach weiter behauptet, nur sein Blickwinkel wäre der richtige.“ 

Wenn wir über Bezugsrahmen in der Kommunikation nachdenken, hilft es immer, dass wir uns die Frage stellen: „Streiten wir gerade darüber, welcher Bezugsrahmen der richtige ist? Reden wir noch über den Inhalt?“

Wenn dann noch das Hierarchiethema hinzukommt, wird es ganz schnell persönlich. In einer emotional erhitzten Situation konsequent zwischen der Sachebene und der emotionalen Ebene zu unterscheiden, ist eine große Herausforderung! 

Mit welchem Ohr hörst Du eigentlich? 

Insbesondere im Bereich der Kommunikation und vor allem der mannigfaltigen Konflikte, die dieser birgt, sollte sich jeder einmal intensiv mit dem Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun beschäftigen. Und sich vorrangig selbst reflektieren. Wir wissen häufig gar nicht, wie wir auf andere wirken. Wir denken, wir wirken so und so, aber die Rückmeldung ist vielleicht eine ganz andere. Gerade in Führungspositionen kann dieses Modell hilfreich sein: 

  • Was ist meine Art der Kommunikation?
  • In welcher dieser vier Seiten finde ich mich wieder? 
  • Laufe ich durch meine Persönlichkeit im Appellmodus? Oder finde ich mich auf der Beziehungsebene wieder? Oder doch eher im Bereich Sachinhalt oder Selbstkundgabe?

Und wenn man dann noch weiß, mit welchem Ohr das Gegenüber die Nachricht aufnimmt, sind bereits viele Konflikte im Keim erstickt. Hier kann auch helfen, den Gesprächspartner konkret zu fragen: „Sag mir mal bitte gerade, was du gehört hast. Wiederhole das mal in deinen eigenen Worten.“ Sich spiegeln lassen, kann Missverständnisse schnell und ohne viel Theater auflösen. 

Kenne Deine Kommunikationspersönlichkeit!

Selbstreflexion ist der Schlüssel zu fast allem – insbesondere in der Kommunikation. Missverständnisse, Streitereien, Konflikte können vermieden werden, wenn wir wissen, welcher Sender- oder Empfängertyp wir sind. Treten Sie gedanklich auf die andere Seite des Rings und schauen Sie, wie die Sachlage aus einem anderen Blickwinkel aussieht. Sie werden überrascht sein, wie schnell sich Dinge friedlich lösen lassen. 

Sie möchten sich zu dem Thema mit mir austauschen? Schreiben Sie mich an und lassen Sie uns ins Gespräch kommen. 



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