Was hat sich in puncto Leadership verändert und wie führe ich meine Mitarbeitenden richtig?

Als mich diese Frage erreichte, war mir sofort klar, dass sich das Thema nicht in ein paar Minuten abhandeln lässt. Es ist auch gar nicht mein Ziel, hier seitenweise über Änderungen und Neuerungen in der Führung zu schreiben. Vielmehr möchte ich auf den Kern, das Wesentliche, zu sprechen kommen, was gutes Leadership ausmacht.
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Wer sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich die Mai-Ausgabe des Harvard Business Manager. Dort wird Führung mit modernen Ansätzen beleuchtet z. B., dass Manager nicht mehr alles können müssen und der „einsame Wolf“ an der Spitze ausgedient hat. Doch kommen wir zurück zu unserem Thema: Was sich in puncto Führung und Leadership verändert hat und wie Führungskräfte ihre Mannschaft führen sollten.

Auf die Essenz reduzieren

Diese Frage lässt sich aus zahlreichen Perspektiven und den unterschiedlichsten Facetten beleuchten und beantworten. Viele begeben sich auf die endlose Suche nach dem heiligen „Führungsgral“, nutzen jede Methode und jedes Tools, sind immer vorne mit dabei, wenn die nächsten Trends in Sachen Führung auf den Markt kommen – dabei geht das Wesentliche oftmals verloren. Was braucht es wirklich? Oder besser gesagt: Was brauchen Menschen, wenn es um Leadership und Führung geht?

Schlüsselbegriff: Vertrauen

Es gibt einen Schlüsselbegriff, der auf den Punkt bringt, was erfolgreiche Führung heute ausmacht: Vertrauen. „Ein alter Hut“ mögen jetzt einige denken oder „zu einfach“ die anderen. Leadership ist ein weites Feld und es ist grundsätzlich nichts daran auszusetzen, Fachthemen dazu in Seminaren, Workshops oder ähnlichen Formaten abzuhandeln. Doch all das erworbene Wissen ist nichts wert, wenn das Vertrauen fehlt. Menschen suchen immer nach Orientierungspunkten, auf die sie vertrauen können – das hat sich nicht geändert und wird sich auch in Zukunft nicht verändern. Fragen Sie sich also, welche Maßnahmen Sie ergreifen, um das Vertrauen Ihrer Mitarbeitenden zu stärken.


Vier Faktoren für mehr Vertrauen

Es gibt unterschiedliche Wege, Vertrauen auf- und auszubauen. Vier wesentliche Faktoren, die die Grundlage dafür schaffen, sind:

Faktor 1: Transparenz

Menschen vertrauen Menschen, die transparent sind. Ihre Absichten sollten somit stets transparent sein. Manchmal höre ich im Coaching von Leuten, dass sie keine Ahnung haben, was der Chef oder die Chefin heute im Schilde führen oder was für Ideen sie morgen wieder haben werden. Das sorgt für Unsicherheit und im schlimmsten Fall für Misstrauen. Es geht nicht darum, permanent alle Karten auf den Tisch zu legen, denn das geht in der Funktion als UnternehmerIn, InhaberIn oder Führungskraft gar nicht. Aber man sollte die Erwartungen, Handlungen und Kommunikation transparent gestalten. Fragen Sie sich, ob Ihre Mitarbeitenden Sie transparent erleben und an welche Stelle Sie Transparenz im Leadership schaffen.

Faktor 2: Konsequenz

Konsequenz bedeutet auf der einen Seite ehrlich zu sagen, was man denkt und auf der anderen, das zu tun, was man sagt. Das ist leichter gesagt als getan. Ich erlebe häufig Führungskräfte, die Dinge einfordern, die sie selbst nicht leben. Sprichwörtlich predigen sie Wasser und trinken Wein. Ein zweiter Aspekt der Konsequenz ist die Verantwortungsübernahme. Dazu ein Beispiel: Die Führungskraft sagt im Meeting, welchen Weg sie gerne einschlagen möchte. Ein Mitarbeitender widerspricht und schlägt aufgrund der Faktenlage vor, einen anderen Weg zu gehen. Doch die Führungskraft bleibt bei ihrer Entscheidung. Passiert es dann, dass sich diese als falsch herausstellt oder sogar das gesamte Projekt in Gefahr bringt, wird ein Sündenbock gesucht – oftmals im Team. Konsequenz bedeutet allerdings, dass die Führungskraft, die Verantwortung für ihre Entscheidung übernimmt und zugibt, gegen die Empfehlung des Mitarbeitenden gehandelt zu haben. Das ist Größe in der Führung und zahlt massiv auf das Vertrauenskonto ein. Mitarbeitende vertrauen Menschen, die konsequent sind in ihrem Handeln und Verantwortung übernehmen. 

Faktor 3: Konsistenz

Beim Faktor Konsistenz geht es um Verlässlichkeit. Ständige Richtungswechsel irritieren Menschen. Wenn ich nicht konsistent, also verlässlich, in dem bin, was ich tue und sage, ist das für Mitarbeitende wie eine Achterbahnfahrt. Es fühlt sich schlecht an, wenn die Richtung nicht klar ist und sich die Menschen jeden Tag aufs Neue fragen müssen, ob das heute Gesagte auch morgen noch gilt. Treffen Sie Aussagen, auf die sich Mitarbeitende verlassen können – so bauen Sie Vertrauen auf.

Faktor 4: Respekt

Respekt gehört oft zu den schwierigsten Dingen, wenn es um Vertrauen geht, auch wenn einige behaupten, dass dem nicht so ist, denn schließlich gehe man mit allen im Unternehmen respektvoll um. Doch Respekt ist mehr als Höflichkeitsfloskeln. Im lateinischen Ursprung heißt Respekt, den anderen zu sehen. Sind Sie bereit, Ihre Mitarbeitenden als Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu sehen? Respekt bedeutet, die Mitarbeitenden nicht auf die Funktion reduzieren, sondern in ihrer Ganzheitlichkeit zu sehen. Dieser Faktor hat durch Homeoffice und Remote Work noch einmal signifikant an Bedeutung gewonnen. Vertrauen bauen die Mitarbeitenden dann auf, wenn sie das Gefühl haben von ihren Chefinnen und Chefs gesehen zu werden mit ihren Bedürfnissen und mit ihren Herausforderungen, nicht nur in ihrer Funktion.

Die Basis für gutes Leadership schaffen

Vertrauen ist die Basis, damit Leadership und Führung erfolgreich funktioniert. Bin ich im Coaching oder Sparring mit Führungskräften stelle ich oft fest, dass es in den vier genannten Faktoren noch Defizite gibt. Auch ich selbst muss immer wieder an diesen Punkten arbeiten. Hierbei geht es am Ende des Tages nicht um Methoden oder Tools, sondern um die Frage, wie es uns gelingt, dass unsere Mitarbeitenden uns vertrauen. Das Argument: „Weil ich Chef bin …“ zieht längst nicht mehr. Gutes Leadership gelingt nur, wenn Vertrauen geschaffen wird, durch Transparenz, Konsequenz, Konsistenz und Respekt.