Aus überwundenen Defiziten zur wahren Berufung

Bereits als ich noch ein Kind war, sagte man über mich, ich sei neugierig und wissbegierig. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert. Mein Interesse zu lernen und Neues zu entdecken, treiben mich bis heute an. Ich glaube, dass Wissbegierde unser innerer Ansporn ist, uns stets weiterzuentwickeln. Er ist wie ein Treibstoff des Lebens.

In meinem Leben war es so, dass meine Neugier die Stolperfalle in sich barg, mich zu verzetteln. Zu viele Dinge interessierten mich und schienen es mir wert, mich mit ihnen zu beschäftigen. Mehr als einmal führte mich meine Neugier dazu, Zeit in Dinge zu investieren, die ich im Nachhinein als unwichtig und unnötig empfunden habe. Noch heute lerne ich herauszufinden, auf welche „Abenteuer” und Unterfangen ich mich einlasse, um mein persönliches Wachstum voranzutreiben und meine Ziele zu erreichen.
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| Patrick Freudiger

Ich stamme aus einem Elternhaus mit strengen Erziehungsmethoden. Mein Vater war als selbstständiger Unternehmer erfolgreich und forderte auch früh von mir, Leistungen abzuliefern. Bereits mit fünf wurde ich eingeschult und musste mich als der Jüngste und Kleinste in der Klasse mehr behaupten als die anderen Kinder. Die Erwartungen meines Elternhauses an mich und der Drang, mich bewähren zu wollen, führten dazu, dass ich mich von der Anerkennung anderer abhängig machte. Blieb die Anerkennung aus, geriet ich in Selbstzweifel. Im Laufe meines Lebens lernte ich, meinen Selbstwert von der Leistungsanerkennung anderer zu entkoppeln. Dadurch konnte ich inneren Druck abbauen, was sich positiv auf mein Selbstbewusstsein und meine Work-Life-Balance auswirkte.

Ich leide an … Aufschieberitis

Ein weiteres Defizit, das mich zur Reflexion zwang und aus dem heraus ich mit der Zeit meine Berufung entwickelte, ist meine mittlerweile überwundene Angewohnheit der Aufschieberitis. Ein neues Abenteuer mit Freunden hier, eine interessante Ablenkung dort – im „Endspurt“ zu meiner Matura war mir noch gar nicht bewusst, dass ich an Aufschiebertis leide. Anstatt mich mit dem Lernstoff zu beschäftigen, arbeitete ich lieber an meinen „Karrieren“ als „Pinball Wizard“ und Tennisspieler. Die Konsequenz war, dass ich die Klasse wiederholen musste. Das führte nicht gerade zu Begeisterungsausbrüchen bei meinen Eltern und das Ende vom Lied war, dass ich sogar die Schule verlassen musste. Als ich die Chance erhielt, meine Matura an einer Privatschule zu absolvieren, zog mein Vater die Daumenschrauben an. Drei Semester bekam ich als Gnadenfrist. Plötzlich war mir klar, dass ich jetzt hart arbeiten musste und ich wusste, dass wenn ich wirklich wollte, den Ablenkungs-Versuchungen widerstehen konnte. Ich fokussierte mich auf mein Ziel und erreichte den Abschluss.

Schon wieder hinterher

Mein nächster Schritt führte mich an die Universität. Ich habe mich für ein Studium der Informatik und der Wirtschaftswissenschaften entschieden – und da war sie dann wieder, meine „Aufschieberitis“. Die ersten zwei Semester im Wirtschaftsstudium hatte ich wenig Interesse an den Studienfächern und genoss vielmehr die Freiheiten, die einem ein Studium vermeintlich gewährt. Im Sommer lag ich im Freibad und auch im Winter hatte ich „besseres zu tun“. Zu Beginn des dritten Semesters fand ich eine 50%-
Stelle als Software-Entwickler. Damit sicherte ich mir zunächst meine finanzielle Unabhängigkeit vom Elternhaus. Die Zeit verging für mich wie im Flug und mit einem Mal stellte ich fest, dass ich drei Semester im Rückstand war. Der Preis, alles aufzuholen war hoch und kostete mich viel Schweiß. Mit fokussiertem Einsatz gelang es mir in überschaubarer Zeit, mit einer der jahrgangsbesten Masterarbeiten, mein Studium mit Auszeichnung abzuschließen.

Muster durchbrechen
ist kein leichtes Unterfangen

Das Defizit des Aufschiebens und Pendenzen auf den letzten Drücker zu erledigen, waren noch lange meine treuen Begleiter. Bis zu meinem vierzigsten Lebensjahr wartete ich oft bis zur letzten Sekunde, um etwas in Angriff zu nehmen. Zunehmend wurde der Tribut, den ich dafür zahlte, höher und strapazierte meine Nerven. Es war an der Zeit, dieses Verhaltensmuster zu durchbrechen. Immer wieder von Neuem nahm ich mir vor, es anders zu machen. Es gelang mir nicht. Am Ende zögerte ich wieder alles so weit heraus, bis ich wieder unter Hochdruck und Extremanspannung in nervenstrapazierenden 24-Stundeneinsätzen, kurz vor dem Zusammenbruch meine Pendenzen zum Abschluss brachte. Trotz des hohen Preises tappte ich gefühlt hunderte Male in die Falle. Eine intensive Reflexion tat Not. So begann ich mich eingehend mit der Frage zu beschäftigen, wie ich mein Verhalten dauerhaft ändern kann. Ich wollte wissen, worin der Ursprung unserer Verhaltensweisen liegt und welche Möglichkeiten es gibt, sich neu zu „programmieren“. Ich beobachtete bei anderen Menschen, dass sie etliche Jahre benötigen, die Themen, die sie schon ein Leben lang beschäftigen, in den Griff zu kriegen. Viele scheitern daran, ihr Verhalten dauerhaft zu verändern. Auch ich habe über manche Angewohnheiten nach wie vor eine zu gerine Kontrolle – über die Summe der Gewohnheiten jedoch deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Eine ausschlaggebende Inspiration lieferte und liefert noch heute mein Mentor Darren Hardy mit dem Grundsatz „Getting better every day“.

Vom Doktorfehlschlag zum eigenen Buch

Meine berufliche Laufbahn nahm nach dem Universitätsabschluss Fahrt auf. Ich arbeitete mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Marketing und strategische Unternehmensführung an der Universität Bern. Nach meinem Studium und während der Arbeit am Institut nahm ich meine Doktorarbeit in Angriff. Bei der Themenauswahl war meine Überlegung, genügend Zeit zu haben, mich neuen, unbekannten Aspekten der Betriebswirtschaft zu widmen und darüber eine theoretische Arbeit zu verfassen. Genügend Zeit auch, um eine bekannte Schwäche in eine Stärke zu verwandeln – das dachte ich damals. Aus heutiger Sicht war die Themenwahl eine grobe Fehlentscheidung. Die Arbeit an der Dissertation machte kaum Spaß. Letzten Endes habe ich meine Doktorarbeit nie abgegeben, was mich noch lange Zeit geärgert hat. Ich habe über mehrere Jahre eine unglaubliche Menge an theoretischem Wissen angehäuft und blieb auf dem hundertachtzig Seiten umfassenden, unfertigen Manuskript sitzen. Anstatt bei der Themenauswahl der Doktorarbeit von dem auszugehen, was mich interessierte, beruhte meine Wahl auf dem Wunsch, mir und anderen etwas zu beweisen. Das war neben dem Bedürfnis der Leistungsanerkennung und der Aufschieberitis mein drittes Defizit: Entscheidungen auf falschen Grundlagen fällen. Als ich mein erstes Buch, das „Phönix-Prinzip“ abgab, fühlte es sich nach der Überwindung eines jahrelangen Traumas an. Ich war glücklich, das klägliche Gefühl des Versagens, die Doktorarbeit nie beendet zu haben, endlich hinter mir lassen zu können.

Meine erste Rolle als Führungskraft

Nun gut, mit oder ohne Doktorarbeit – mein Ziel war die berufliche Selbständigkeit. Gemeinsam mit zwei Assistenzkollegen bauten wir unser erstes eigenes Unternehmen auf. Eine Ahnung von Unternehmertum hatten wir nicht, nur das erklärte Ziel, erfolgreich zu sein. Das gelang uns auch sehr gut – ich agierte in der Rolle als Führungskraft in meiner eigenen Firma und war als Berater bei meinen Mandanten im Einsatz. In der beratenden Tätigkeit machte es mir besonders viel Spaß, zusammen mit meinen Klienten für komplexe Fragestellungen pragmatische, umsetzbare Lösungen zu erarbeiten. So entwickelte ich mich über die Jahre weiter und nahm unterschiedlichste Positionen als Projektleiter, Leiter Marketing und Verkauf, Leiter Informatik, Geschäftsführer und Verwaltungsrat ein. Damals habe ich mein Führungsverhalten so gut wie nie hinterfragt, schließlich war ich damit erfolgreich. Heute denke ich anders: Man kann erfolgreich sein trotz mangelhaftem Führungsverhalten, aber noch viel erfolgreicher, wenn man sein Führungsverhalten gezielt verbessert.

Lektionen lernen – besser werden

Das Leben gibt uns einige Lektionen mit auf den Weg und es liegt an uns, diese anzunehmen. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die dafür oftmals ein bisschen länger braucht. Doch da Neugier und der Drang, mich stets weiterzuentwickeln, wichtige innere Antreiber für mich sind, liebe ich es auch, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ich begann, mich gezielt mit den Defiziten zu beschäftigen, die mich in meiner weiteren beruflichen und privaten Entwicklung hemmten und mein Denken und Handeln einschränkten: Die Angewohnheit, mich von der Anerkennung anderer abhängig zu machen, meine Aufschieberitis und mein Drang, Entscheidungen auf falschen Grundlagen zu fällen. Ich erlernte verschiedene Techniken, um diese hinderlichen Angewohnheiten durch nützliche zu ersetzen. Die Bewusstwerdung und die folgende Neuprogrammierung, die nach wie vor anhält, hat sich positiv auf mein berufliches wie privates Schaffen ausgewirkt. Dem zuträglich war auch, dass ich mich gerne für Ideen und Perspektiven aus anderen Wissensgebieten begeistere und mich freue, wenn ich dadurch jeden Tag ein bisschen besser werde.

Die Herausforderung: Ein Buch, das anderen wirklich hilft

Ich begegnete im Laufe der Jahre immer wieder Führungskräften, die durch ihre Angewohnheiten, ihre Karrieren ins Stocken oder sogar zum Erliegen gebracht haben. Jeder von uns hat blinde Flecken und Erlebnisse aus der Vergangenheit, die nicht überwunden oder verdrängt wurden und die uns daran hindern, weiterzukommen. Oft fehlt es dabei lediglich an methodischem Werkzeug, Angewohnheiten dauerhaft zu überwinden. Dieses Wissen gab mir den Antrieb, ein Buch zu schreiben, das Führungskräften effektiv dabei hilft, sich selbst zu reflektieren, ihr Verhalten zu verändern und sich mit einem neuen, authentischen Führungsstil zu positionieren. Im Buch „das Phönix-Prinzip“ werden meine eigenen Erfahrungen ergänzt durch die wichtigsten theoretischen Wissensbausteine aus sechzig Jahren Führungsforschung sowie den praktischen Erkenntnissen von rund 100 Top-Führungskräften, die ich zu ihrem Führungsverhalten befragt habe. Es war mir ein besonderes Anliegen, in meinem Buch nicht nur ein theoretisches Modell vorzustellen, sondern Führungskräften ein konkretes, praktisches Vorgehen an die Hand zu geben.

Ankommen und
weitergehen: Meine Berufung

Es erfüllt mich mit Freude und Begeisterung, dass ich meine Berufung gefunden habe. Gerade deshalb, weil ich selbst erlebt habe wie wichtig es ist, sich stets weiterzuentwickeln und wie großartig das Gefühl ist, jeden Tag ein bisschen besser zu werden, kann ich als Coach und Sparringspartner andere Menschen darin unterstützen, das zu tun, was sie innerlich erfüllt. Als Führungskraft und CIO habe ich irgendwann festgestellt, dass ich einerseits nur noch mit Managementaufgaben absorbiert war und keine Zeit mehr fand, konzeptionell zu arbeiten. Andererseits entdeckte ich, wie wichtig und auch befriedigend es ist, Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung zu helfen. Diese beiden Aspekte verbinde ich in meinem heutigen Wirken. Im Coaching unterstütze ich Menschen darin, dass sie sich hinderliche Verhaltensweisen abgewöhnen und neue wirkungsvolle Verhaltensweisen angewöhnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut, wie anspruchsvoll es gerade für erfolgsverwöhnte Menschen ist, Verhaltensänderungen vorzunehmen. Ich weiß aber auch, dass es möglich ist, wenn die Einsicht und die Bereitschaft dafür gegeben sind. In meiner Rolle als Sparringspartner challenge ich Konzepte und Ideen von Führungskräften. Mit diesem Ansinnen und mit meinem neuen Buch möchte ich Menschen begeistern und sie in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen.


Patrick Freudiger

Patrick Freudiger war nach dem Aufbau und der Leitung von zwei Beratungsfirmen erfolgreich als CIO in der Schweiz unterwegs. Im Jahr 2016 wurde er als „Schweizer CIO des Jahres“ ausgezeichnet. Heute arbeitet Patrick Freudiger als Coach für nachhaltige Entwicklung von Führungspersönlichkeiten, Teams und Organisationen. Sein Ziel ist es, Führungskräften und ihren Teams dabei zu helfen, ihr Führungsverhalten weiterzuentwickeln und damit letztlich erfolgreicher und zufriedener zu sein.

Patrick Freudiger kennt die Freuden und Leiden einer Führungskraft aus eigener Erfahrung. Nach mehr als 25 Jahren in Führungspositionen, als Berater und Coach schrieb er sein Buch „Das Phönix-Prinzip“ auf der Grundlage von Gesprächen mit mehr als 100 Top-Führungskräften. Das Phönix-Prinzip hilft Führungskräften, die Wirkung ihres Führungsverhalten zu überprüfen und gezielt zu verbessern.

www.dasphoenixprinzip.com  www.freudiger.coach



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