Da musst du einfach nur mal positiv denken!

Die Krise als Chance. Wer hat das nicht schon alles gehört? Aus einer traurigen Melodie ein fröhliches Lied machen. Ist das Glas halb leer oder halb voll? Wenn es um wirksame Führung und gutes Management geht, gibt Fredmund Malik in seinem Buch „Führen. Leisten. Leben.“ den Hinweis, ein weiteres der sechs Führungsprinzipien zu beherrschen: Positiv denken! Aber wie gelingt das? Sind wir nicht vielmehr auf die negativen Dinge fokussiert, die Dinge, die nicht gut funktionieren, also leben wir nicht deutlich eine Konzentration auf Probleme? Geschenkt, als Führungskraft oder ManagerIn ist es mein Job, Probleme zu lösen. Ich glaube allerdings, dass es viel wichtiger ist, Chancen zu erkennen, Chancen zu nutzen. Das ist in meinen Augen eine wesentliche Aufgabe als Führungskraft. Und ja, dazu gehört, positiv zu denken. Auch und insbesondere in Zeiten von Herausforderungen, in denen ich mit einem halbleeren Glas unterwegs bin. Wie schaffe ich es da, eine positive Haltung in der Führung einzunehmen? Hier ein paar Anregungen … 

Was heißt „positiv denken“?
 

Positives Denken bedeutet nicht, dass wir, egal was passiert, immer „gut drauf“ sind, rosarote Brille, alles heile Welt. Das ist Selbstbetrug. Es gibt immer Situationen, die geschehen und in denen es uns einfach schlecht geht: Krankheit, Tod eines geliebten Menschen, Trennung. In solchen Phasen ist es richtig, dass wir unserem Schmerz, unserer Trauer, unserer Enttäuschung, vielleicht auch unserer Wut Raum geben. Da ist „positiv denken“ völlig illusorisch. Vielmehr geht es im beruflichen Kontext bei „positiv denken“ um ein „trotzdem“.

 

Positiv denken heißt, trotzdem weitermachen.

Die Situation ist, sagen wir es deutlich, sehr bescheiden, aber wir machen trotzdem weiter. Wir finden trotzdem Wege aus der Katastrophe, in der wir uns befinden. Es ist dieses „nicht aufgeben“. Churchill hat 1940, als die Welt für England kurz vor dem Zusammenbruch stand, nur gesagt: „never, never, never“. Das ist eine Form von „positiv denken“, in seiner Urform. Um diese Haltung leben zu können, braucht es keine Motivationsseminare, sondern die richtige Einstellung.
 

Positiv denken heißt Perspektivwechsel.

Mein Mentor sagte mir einmal: „Ben, wenn du in eine Situation kommst, in der du mit dem Rücken an der Wand stehst und unter massiven Druck gerätst, musst du dir als Chef immer folgende Frage stellen: Was für eine Möglichkeit, was für eine Chance liegt in dieser Problemsituation gerade?“ Diese Frage hat mich sehr beeindruckt, da ich finde, dass es ganz besonders in den wirklich schweren Situationen, in denen es uns echt dreckig geht, umso schwerer ist, sich eben diese Frage zu stellen. Dabei meine ich nicht, seine Emotionen zu verneinen, sondern die Perspektive zu wechseln. Raus aus der Emotion und rein in die Sachorientierung. Die Situation ist, wie sie ist. Man muss sie akzeptieren.

Positiv denken bedeutet Akzeptanz und das Beste daraus machen.

Ich akzeptiere die Situation und gehe über in einen Lernprozess. Es geht um die Frage: „Was habe ich gemacht, um hier zu landen, wie bin ich bis jetzt damit umgegangen und was kann ich tun, um es in Zukunft besser zu machen? Was nehme ich für mich jetzt da raus, um es in eine Stärke umzuwandeln?“ Und da sind wir mal wieder bei dem Thema, dass Führungskräfte dazu aufgerufen sind, AM Unternehmen und nicht IM Unternehmen zu arbeiten. Haben sie nur die Aufgabe, wie die Feuerwehr rund um die Uhr Probleme zu lösen, ist das am Rande einer Bankrotterklärung. Dann läuft ganz grundlegend etwas schief: Entweder ist die Führungskraft „unfähig“ oder die komplette Aufbau- und Ablauforganisation völlig marode. Ist die Führungskraft hingegen willens und fähig, ihren Aufgaben gerecht zu werden, wird sie eine schwere Situation akzeptieren und AM Unternehmen so lange positiv denkend trotzdem schrauben, bis alles passt. Positiv denken heißt hier, das Richtige zu tun.

Positiv denken erlaubt graue Entscheidungen.

Führungskräfte und ManagerInnen machen eigentlich den ganzen Tag nichts anderes, als zu entscheiden und Kompromisse zu jonglieren. Und da ist eine schwarz-weiß-Denke alles andere als hilfreich. Ich spreche von Entscheidungen und Kompromissen im Graubereich. Diese gepaart mit positivem Denken sind ein Riesenhebel, um Stimmungslagen wie Unlust und Angst zu relativieren. Es wird ein Raum geschaffen, in dem wir uns auch in Widersprüchlichkeiten wiederfinden können und diese für uns auflösen. Diese Kombination im Graubereich darf aber nicht dazu führen, dass wir uns selbst betrügen. Vielmehr geht es um eine gesunde, lebensbejahende Einstellung, um mit Hilfe des „Trotzdem“ zu einer positiven, konstruktiven Lösung zu kommen.

Lässt „positiv denken“ Kritik zu?
 

Es gibt Menschen, denen ist es fast schon angeboren, Dinge sehr positiv zu betrachten. Die Rede ist hier von den Optimisten. Immer alles cool, immer alles machbar, immer alle happy. Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die sagen: „Das fällt mir ganz schön schwer, weil ich von meiner Grundhaltung her jemand bin, der sehr kritisch ist.“ Diese Menschen sehen nicht auf den ersten Blick etwas Gutes in einer Sache, sondern es durchläuft immer ein Kritikraster. Und dennoch sind Mitarbeitende dieser Seite häufig die Geeigneteren, um trotzdem positiv denkend ein Unternehmen in die Zukunft zu lenken. Warum?

Als Gefahrendetektor, als eine Art Radar im Schiff oder Echolot, das sozusagen die Riffe sieht, die andere nicht sehen, sind sie ein ausgesprochen wertvolles Mitglied jedes Teams. Das ist ihr Beitrag zum positiven Denken. Aber bitte nicht das Kritische in eine Verselbständigung entlassen nach dem Motto: Es ist alles kritisch, es ist alles gefährlich, es ist alles doof, sondern die Fähigkeit zur Kritik und zum Hinterfragen nutzen, um zum Lösungsweg beizutragen. Dies ist deutlich hilfreicher als die Optimisten, die immer Hurra, alles easy und toll rufen. Ich bin immer heilfroh für ein, zwei Kritikraster, die man gezielt einsetzen kann. Am besten lässt man die Optimisten erst mal die erste Vorlage erstellen und setzt dann den Kritiker darauf an, mit dem Ziel, es kaputt zu machen. So kriegt man richtige Qualität!
 

Und hier noch ein kleiner Tipp an alle Optimisten da draußen: Ihr bergt ein hohes Gefährdungspotenzial. Das Gefährdungspotenzial, immer alles happy, happy, happy zu machen. Und Ihr müsst eins wissen: Es gibt eine Menge Menschen, denen Ihr damit richtig auf den Nerv geht.




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