Führungskraft sein ist kein Persönlichkeitsentwicklungsprogramm

Folgendes Szenario: Ein Pilot setzt sich ins Cockpit eines vollbesetzten Passagierflugzeugs, fliegt eine waghalsige Strecke und stürzt ab. Er krabbelt als einziger Überlebender aus dem Wrack und sagt: „Puh, zumindest hab ich es probiert, da bin ich aber stolz auf mich. Für’s nächste Mal hab ich viel dazugelernt über mich.“ Den würden Sie doch für verrückt erklären! Genau so machen es aber aktuell viele Führungskräfte mit ihrer Verantwortung in der Führungsrolle: Ausprobieren, Abstürzen, Selbstreflexion, weiter geht‘s. Doch während sie sich beweihräuchern, bleibt das Team als Opfer auf der Strecke und das Unternehmen trägt Spuren davon. Es ist an der Zeit, den Führungshimmel von diesen Luftakrobaten zu säubern und Platz für echte Führungskräfte zu schaffen – diejenigen, die nicht nur fliegen können, sondern auch dafür sorgen, dass das gesamte Team sicher und erfolgreich mit ihnen abhebt und landet.

Die Herausforderung: Führung ist kein Übungsplatz
 

Die gestiegene Sensibilität für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen hat zu einem tieferen Verständnis zwischen Menschen geführt. Das ist schön. Doch die Frage lautet: Nehmen Führungskräfte ihre Rolle und die damit einhergehende Verantwortung noch ernst genug? Was unterscheidet eine Führungskraft von einem Bruchpiloten? Vergleichen wir eine Führungsperson mit einem Piloten, bringt das die Wichtigkeit und Auswirkung ihrer Entscheidungen auf den Punkt. Wie im Flugzeug sind Führungskräfte mit der Zukunft ihrer 'Passagiere' – den Mitarbeitern – betraut. Hier wird die Kluft zwischen dem, was Führung bedeutet, und dem, was einige Führungskräfte daraus machen, deutlich.
 

Persönlichkeitsentwicklung ist zweifellos wertvoll, doch darf sie nicht den zentralen Fokus einer Führungskraft trüben. Eine gute Führungskraft zeichnet sich nicht nur durch das verantwortungsbewusste Fällen schwieriger Entscheidungen aus, sondern auch durch die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Diese Selbstreflexion bildet die Grundlage für eine dauerhafte Verbesserung und den Weg zu effektiven und nachhaltigen Entscheidungen.

Die Balance zwischen Persönlichkeitsentwicklung und Führung finden

Im Gegensatz zu einer Simulation ist Führung keine bloße Übung, sondern eine fortwährende Herausforderung, die weitreichende Auswirkungen auf das Wohl der Mitarbeiter und den Unternehmenserfolg hat. Der Führungsalltag kann nicht als eine Art Flugsimulation betrachtet werden, bei der man sich unverbindlich ausprobieren kann. Die Entscheidungen einer Führungskraft sind keine theoretischen Manöver, sondern haben konkrete und oft nachhaltige Konsequenzen. Diese Realität erfordert von Führungskräften eine durchdachte Herangehensweise und eine stetige Bereitschaft zur Selbstreflexion.

 

Verantwortungsbewusste Persönlichkeiten finden
 

Daher mein Appell: Die Auswahl von Führungskräften sollte nicht auf faulen Kompromissen basieren, sondern auf der konsequenten Suche nach qualifizierten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten. Diese müssen nicht nur über fachliche Qualifikationen verfügen, sondern auch ein tiefgehendes Verständnis für die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und dem Unternehmen mitbringen. Diese Verantwortung umfasst neben dem Erreichen von Zielen auch die Motivation der Mitarbeiter, die Lösung von Konflikten, das Treffen von unangenehmen Entscheidungen und letztendlich die Sicherung von Arbeitsplätzen und den Unternehmenserfolg. Führungskräfte müssen ihre eigene Identität verstehen, sich ihrer persönlichen Grenzen bewusst sein und in verschiedenen Situationen aufgrund ihrer Authentizität angemessen reagieren können. Nur durch dieses tiefe Verständnis für sich selbst können sie wirksame Entscheidungen treffen und die Balance zwischen Persönlichkeitsentwicklung und Führung wahren.

Führung ist mehr als ein Job, Führungskräfte gestalten Zukunft

Sich selbst überschätzende Bruchpiloten, die ihre eigene Entwicklung über die ihres Teams stellen, können nicht die Lösung sein. Führung ist mehr als Persönlichkeitsentwicklung. In einer Welt des ständigen Wandels sind Führungskräfte die Architekten der Zukunft. Indem sie Verantwortung übernehmen, klare Entscheidungen treffen und ihre Teams motivieren, können sie nicht nur ihre eigene Weiterentwicklung fördern, sondern auch das langfristige Wohlergehen des Unternehmens sicherstellen. Führungskraft zu sein ist mehr als ein Job – es ist eine Verpflichtung gegenüber sich selbst, dem Team und dem Unternehmen.

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Sparringspartner für Geschäftsführer und Führungsteams in klein- und mittelständischen Unternehmen, wenn es um deren Strategie und Transformationsprozessen geht. Der Vorstand des Beratungshauses Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.




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