Generation unter Generalverdacht

Wie sollen wir mit der Generation Z am Arbeitsmarkt umgehen? Sie sind bequem, aber fordernd. Maximal unverbindlich und immer online. Flatterhaft und hedonistisch. Nicht kritikfähig und verwöhnt. Kaum eine Generation wird so unter Generalverdacht gestellt wie die Generation Z. Einige Unternehmen sind sogar so weit, dass sie niemanden mehr aus dieser Generation einstellen wollen. Doch das kann nicht die Lösung sein. Vielmehr ist die Frage, wie wir mit der Gen Z am Arbeitsmarkt umgehen und was wir als Unternehmerinnen und Unternehmen tun können.
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Was will Gen Z wirklich? 

Klima retten oder Karriere anstreben? Freizeit oder Führungsposition? Die New Work Studie, die Randstad in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut MenteFactum unter deutschen Berufstätigen durchgeführt hat, bringt Licht ins Dunkel. Die Frage, was die Generation Z im Beruf will, wird klar beantwortet: 83 % wollen materiellen Wohlstand, 68 % das Gefühl gebraucht zu werden, 66 % wollen von anderen anerkannt werden, 53 % Karriere machen und ebenso 53 % viel freie Zeit haben und 36 % wollen einen positiven Beitrag für die Umwelt leisten. 

Zwar will die Gen Z beruflich erfolgreich sein, doch der Arbeitgeber ist dabei nur zweitrangig. Lediglich 34 % identifizieren sich noch mit ihrem Unternehmen. Auch auf Führungsverantwortung sind die jungen Arbeitnehmenden der Gen Z nicht mehr so scharf wie ihre Vorgängergenerationen – nur 41 % streben eine Karriere mit Führungsverantwortung an. Wohingegen 62 % sich lieber als ExpertInnen auf einem bestimmten Gebiet entwickeln wollen. Gleichzeitig stellt die Gen Z hohe Anforderungen an das Unternehmen und die Führungskräfte, für die sie arbeiten. 72 % wollen einen Sinn, einen Purpose, in ihrer Arbeit sehen.

Der Mittelstand als beliebter Arbeitgeber

In einer weiteren Studie, durchgeführt von der Job-App Zenjob, wird deutlich, dass den jungen Arbeitnehmenden auch die Arbeitsplatzsicherheit und die finanzielle Stabilität eines Unternehmens wichtig sind. Als sichere Arbeitgeber empfindet die Gen Z vor allem mittelständische Unternehmen. Mit knapp 22 % ist das die beliebteste Unternehmensform, gefolgt von dem Wunsch nach der eigenen Selbständigkeit mit 21%, dem öffentlichen Dienst mit 19 % und den Großkonzernen mit 17,2 %. Start-ups hingegen schaffen es nur auf 13,4 %. Der Mittelstand hat somit sehr gute Karten, die jungen und kommenden Arbeitnehmenden für sich zu begeistern, doch wie gelingt das? 

Grundlegende Werte und neue Wünsche

Kommende Generationen werden nicht mehr in demselben Wohlstand aufwachsen, der noch vor 20 oder 30 Jahren herrschte. Das eigene Haus inkl. Auto und zweimal im Jahr Urlaub sind kaum mehr möglich. Enorme Inflation, wirtschaftliche Krisen und immer höhere Lebenshaltungskosten fordern ihren Preis. Die Gen Z wird in diesem Kontext leben. Grundwerte wie Gesundheit, Freiheit, Freundschaft und Familie sind immer noch sehr stark und werden durch neue Wünsche ergänzt.

Den Wunsch nach … 

  • freier Entfaltung und dennoch Sicherheit, 
  • Flexibilität in der Arbeitswelt,
  • mehr Freizeit und weniger Führungsverantwortung, 
  • mehr Digitalisierung im Berufsalltag,
  • mehr Diversität und Inklusion in Unternehmen,
  • guten Schulungen und Weiterbildungsmöglichkeiten,
  • weniger Arbeitszeit.

Wenn wir bedenken, dass laut Statistischem Bundesamt 2,6 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftige in Deutschland zwischen 20 und 25 Jahren sind und weitere 3,4 Million zwischen 25 und 30 Jahren, wird deutlich wie wichtig es ist, sich mit den jungen Generationen zu beschäftigen. 


Nicht alles ändert sich

Bei meinen Recherchen zum Thema ist mir aufgefallen, dass die Perspektiven, die Arbeitgebende auf den Generation Z werfen, sehr weit auseinandergehen. Fakt ist, dass sie den Arbeitsmarkt ordentlich aufrütteln und für Diskussionsstoff sorgen. Doch beim genaueren Blick auf die Generation Z wird klar, dass sich ihre Ansprüche an Arbeitgebende gar nicht so stark unterscheiden. Sie wünschen sich ein gutes Gehalt, doch nicht mehr um jeden Preis, denn Freizeit ist ihnen heilig. Ebenso wie viele Vertreter anderer Generationen wollen sie Ehrlichkeit und Transparenz in der Kommunikation, Gestaltungsmöglichkeiten und Flexibilität sowie individuelle und professionelle Weiterbildungen. Sie schätzen soziales Engagement, nachhaltiges Handeln und wollen gefördert und gefordert werden. 

Die Gen Z ist sich sehr wohl bewusst, dass sie in einer Zeit lebt, in der der Wandel allgegenwärtig ist. Und sie möchte diesen mitgestalten, sich einbringen und neue Ideen durchsetzen. Unternehmen stehen somit vor der großen Herausforderung, sich attraktiv für junge Menschen aufzustellen und gleichzeitig bestehende Mitarbeitende zu halten – das gilt sowohl für den 17-jährigen Auszubildenden als auch für den 61-jährigen Senior Account Manager. Zu wissen, wer was will und wie Einzelne ticken, ist elementar. Wichtig hierbei ist, den Menschen immer individuell zu betrachten, denn nicht jede Person, egal welchen Alters, passt in jedes Unternehmen. Und vor allem nicht in jede Position. Deshalb empfehle ich den Unternehmen erst einmal selbst, zum Beispiel mit einem authentisch herausgearbeiteten Leitbild, zu verdeutlichen, welche Werte dem Unternehmen wichtig sind und was die Vision ist. Wer sich im Anschluss noch genauer mit den Bedürfnissen der unterschiedlichen Generationen befasst, hat die großartige Möglichkeit, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Altersgruppen voneinander profitieren. Und wer weiß, was wir nicht noch alles von der Gen Z lernen können …


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