Innovationskraft trotz Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist überall präsent. Die Unternehmen stöhnen, die verbliebenen ArbeitnehmerInnen sind überlastet. Und dennoch verlangen unsere herausfordernden Zeiten eines ganz besonders: Innovationskraft. Eine Bugwelle an kreativen Lösungen ist gefragt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz schreibt: „Fachkräfte sichern Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung, Wohlstand und Lebensqualität.“ Heißt das, der Mangel an Fachkräften bedeutet Stillstand in Deutschland? Oder findet sich doch noch eine Möglichkeit, Innovationskraft trotz Fachkräftemangel zu generieren?
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Wir stehen erst am Anfang

Das Thema Fachkräftemangel wird uns noch über Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte quälen. Ja, quälen, weil es zu einem nicht unerheblichen Teil ein selbstgemachtes Problem ist. Und zwar in gleich mehreren Bereichen: 

Ein überholungsbedürftiges Einwanderungsgesetz 

Das fängt schon mit unserem unvernünftigen Einwanderungsgesetz und den komplizierten Vorgängen, die dieses mit sich bringt, an. Schaut man sich beispielsweise Kanada an, lernt man, wie einfach es gehen könnte. Unsere Politik hat da sicherlich noch einiges aufzuholen, aber ein/e UnternehmerIn kann es sich nicht leisten, auf ein kluges Einwanderungsgesetz zu warten. Hier sind kreative Lösungen gefragt, wie u. a. internationale Partnerschaften. Aber dazu später mehr. 

Augen zu, dann geht es schon vorbei

Das Problem mit dem Fachkräftemangel und unserer immer weniger werdenden Innovationskraft kam nicht von heute auf morgen. Vielmehr handelt es sich um einen schleichenden Prozess, den zwar manche schon vor geraumer Zeit erkannt haben, sich aber für die Vogel-Strauß-Politik entschieden. Und die fliegt einem irgendwann um die Ohren. Erst wenn der Leidensdruck zu groß und das Problem signifikant wird, überdenken diese UnternehmerInnen ihre Bereitschaft, Kraft, Zeit, Nerven und Geld zu investieren.

Für die Babyboomer geht es bald in Rente

Die Thematik Babyboomer hat gleich zwei Komponenten, die auf den Fachkräftemangel einzahlen. 

  • Bis 2030 werden sie vom Arbeitsmarkt verschwunden sein. Eine große Lücke wird sich auftun. Wer ein wenig rechnen kann, weiß das schon länger. Nachfolgen wird die neue Generation, nämlich die, über die die UnternehmerInnen lautstark jammern, dass sie so schwierig zu finden und zu binden seien. Wenn ein Unternehmen Fachkräfte braucht, muss es sich genau bei diesen Menschen bewerben und nicht mehr andersrum. Das ist aber in vielen Köpfen noch nicht angekommen, da …
  • … und hier kommen wir zu der zweiten Komponente, die Babyboomer, die seit Jahren in den Führungsetagen sitzen und bislang etwas völlig anderes erlebt haben: Auf einen Job kamen hunderte BewerberInnen. Wenn da der Lebenslauf auch nur einen einzigen Kommafehler hatte, war man raus aus dem Rennen. Und das ist noch in den Köpfen drin: der Markt ist voll, wir haben die Auswahl. Nein, das war einmal.

Innovations was? 

Es gab eine Zeit, in der ein ganz bestimmtes Land weltweit ob seiner Qualität und Innovationskraft hochgeschätzt wurde. Ja, das waren noch Zeiten. Inzwischen ist der Lack ab. Und dennoch hört man aus Berlin ein Interview – keine Ahnung mehr von wem – dass Deutschland 2030 wieder zu den innovativsten Ländern der Welt geworden ist. Das ist mal ein ambitioniertes Ziel … 

4 mögliche Auswege aus der Misere

Wer an seinem Status Quo etwas ändern möchte, muss die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Da wird einem nichts geschenkt. Diese Maßnahmen bieten sinnvolle Lösungen:

1 Internationale Partnerschaft

Mit international ist tatsächlich international gemeint und nicht München, Wien oder Genf. Nein, es gibt andere Märkte, die die meisten Menschen überhaupt nicht auf dem Radar haben. In denen es enorme Innovationskraft und genügend Menschen mit hoher Qualifikation gibt. Zum Beispiel Südkorea. Die haben eines der besten Schulsysteme der Welt, tolle Universitäten und praktische Ausbildungen. Ein Land ohne Bodenschätze, ohne touristische oder sonstige Attraktivität. Aber die KoreanerInnen sind in vielen Bereichen Innovationstreiber, gerade im digitalen Bereich. 

Bewährt hat sich bei der Suche nach internationalen Partnerschaften die Vorgehensweise, direkt zu Anfang die Interessensthemen und damit die Interessenskonflikte sauber auf den Tisch zu legen. Findet sich ein Konsens, kann man beginnen, ein gemeinsames Konzept nach dem Motto: „Such dir jemanden, der die gleichen Probleme hat wie du, der aber nicht im gleichen Markt unterwegs ist, der nicht die gleichen KundInnen anspricht, wo es eine klare Trennung gibt. Hier ist mein Spielfeld, da ist dein Spielfeld. Aber wir müssen nicht beide unabhängig voneinander das Rad neu erfinden.“ zu entwickeln. Auf diese Weise ergänzen sich die verschiedenen Fachkräfte und Synergien entstehen. 

2 Offensein für Neues

Ich rauche gerne arabische Wasserpfeife. Das ist für mich abends ein Ritual und somit heilig. Eines Tages war meine Großmutter zu Besuch und schaute mir zu. „Weißte Ben, ich würde das gerne auch mal probieren.“ „Nee Oma, du kannst das nicht paffen. Du musst richtig bis in die Lungen hineinziehen.“ „Mach ich.“ Sie setzte an und dieses gluckernde Geräusch kam. Und sie zog und zog und zog und zog und die Augen wurden immer größer. Meine Augen! Dann setzte sie ab, atmet entspannt aus, hustete nicht und fragt dann: „Ben, was ist eigentlich Google?“ Meine Oma ist für mich das Paradebeispiel für offen sein für Neues! 

UnternehmerInnen kommen nur dann aus der Sackgasse heraus, wenn sie neugierig sind und out of the box denken. Sie müssen eine hohe Bereitschaft an persönlicher Weiterentwicklung aufweisen und auch offen zeigen. So kann auch das Team nicht nur motiviert, sondern auch im Sinne von Fordern und Fördern ein Stück weit in Zugzwang gebracht werden. Wenn der Chef das so macht, dann müssen wir das auch so machen. 

3 Und nun einen Schritt weiter: Teamintegration

Wer dem alten Spruch folgt, Betroffene zu Beteiligten zu machen, hat meistens schon ein Ass im Ärmel. Es hat sich schon immer bezahlt gemacht, Vertrauen in Menschen zu investieren. Auch oder insbesondere, an die man auf den ersten Blick gar nicht kommen würde. Häufig sind sie motivierter, sich voll und ganz in einem kreativen Prozess einzubringen. Einen Prozess à la: „Nehmen wir mal an, wir könnten ohne die bereits vorhandenen Strukturen und Dinge auf einer grünen Wiese neu denken. Lass uns mal ein Brainstorming machen. Alles darf sein. Es gibt keine falschen Vorschläge.“ Oftmals haben die UnternehmerInnen vergessen, dass sie durch ihre Mitarbeitenden fantastische Ressourcen im Haus haben. Dabei sollte jedoch genau diesen das Gefühl gegeben werden, dass ihre Meinung zählt und ernsthaft geprüft wird. Das ist entscheidend. Ich kann ja jemanden fragen, aber wenn ich dreimal gefragt habe und es passiert nichts, dann kriege ich beim vierten und fünften Mal keine Antwort mehr. 

4 Brain-Trust

Je bunter die Mischung an Freunden und DiskussionspartnerInnen ist, desto besser. Ein Trust von Menschen, die in unterschiedlichen Bereichen unterwegs sind, am besten außerhalb der Firma. MedizinerInnen, Geistliche, JuristInnen, BäckerInnen, Reinigungskräfte, der/die KioskbesitzerIn um die Ecke. Es ist verblüffend, was man für Antworten erhält und wie bereichernd diese sein können. 

Fokus, Fokus, Fokus 

Speziell beim Thema der Innovationskraft hängt viel von der Marktaufstellung ab. Ist ein Unternehmen sehr breit aufgestellt, muss es viele Märkte, viele verschiedene KundInnen und Segmente bedienen. Dies braucht eine enorme Breite an Fachkräften und Innovation. Und das bedeutet eine hohe Komplexität. Wird das Thema Fachkräftemangel zu einem lähmenden Faktor, sollte überlegt werden, ob wirklich aus jeder Pfütze getrunken oder nicht besser das Geschäftsmodell in der Breite reduziert werden muss. 

Nun sind Sie an der Reihe 

Es gibt viele unterschiedliche Ansätze, das Thema Innovationskraft trotz Fachkräftemangel anzugehen. Seien es internationale Partnerschaften, offen für Neues sein, Brain-Trust oder Fokussierung. Daher: Ärmel hoch und los! 



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