Wenn der Fehlerteufel den Dreizack spitzt …

Eine falsche Entscheidung und mitunter entsteht ein Millionenschaden. Ein Fehler und schon ist die Existenz dahin, der Ruf ruiniert, das Unternehmen zur Lachnummer geworden. Wir kennen Politiker und UnternehmerInnen, die nach einem Fehler kleinlaut vor die Kameras treten und sich entschuldigen. Doch die Wirtschaft ist hart, wer einmal ordentlich verkackt, hat es schwer, wieder Fuß zu fassen. Auf der anderen Seite werden bei sogenannten FuckUp Nights rund um den Globus Fehler „gefeiert“. Insolvent gegangen – kein Problem, dann gründen wir halt ein neues Unternehmen. Zwei absolut konträre Standpunkte. Wie also sollten UnternehmerInnen mit Fehlern umgehen?
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Skandale, Fehltritte und Schandtaten

Es liegt auf der Hand, dass UnternehmerInnen, die willentlich „Fehler“ begehen und ihre KundInnen betrügen dafür bezahlen müssen. So hat der Insolvenzverwalter von Wirecard den früheren Chef Markus Braun und weitere Ex-Manager auf Schandersatz in Höhe von 140 Millionen verklagt, wie Mitte Januar viele Zeitungen, unter anderem die Zeit berichteten. Große Skandale wie der Betrug von Wirecard, die Mangelhaftigkeit am Berliner Flughafen oder auch die Steuerhinterziehung einiger Prominenter sind zum Glück eher die Ausnahme als die Regel und ziehen zu Recht schwerwiegende Konsequenzen nach sich. Doch meist sind es die weniger medienwirksamen Fehler, an denen UnternehmerInnen zu knabbern haben.

Ich bin schuld – bin ich schuld? 

Fakt ist, dass Sie als UnternehmerIn verantwortlich für Ihr Unternehmen sind. Das schließt auch Ihre Mitarbeitenden ein. Macht einer davon einen Fehler, wird es Ihnen wenig nutzen, bei Ihren KundInnen, die Schuld auf eine andere Person abzuwälzen. Sie müssen letztlich dafür geradestehen. Und auch Sie werden in Ihrer Laufbahn als UnternehmerIn Fehler machen. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung aus mehr als 20 Jahren Unternehmertum bestätigen.

Die häufigsten Fehler von UnternehmerInnen

Abgesehen von Fragen, die sich auf die Unternehmensform, Steuern oder Finanzierungen beziehen, denken viele UnternehmerInnen, dass sie alles allein schaffen müssen. Ein Sparringspartner, Mentor oder Buddy, der so wie sie UnternehmerIn ist, kann jedoch regelmäßig dafür sorgen, dass Sie sich reflektieren und auch bessere Entscheidungen treffen. Außerdem fällt es UnternehmerInnen oftmals schwer loszulassen; sie arbeiten im statt am Unternehmen. Wer den Fehler macht, sich ständig nur im Operativen und nicht im Strategischen zu bewegen, ist meist nicht mehr als ein überbezahlter Mitarbeitender aber kein/e UnternehmerIn.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen beginnend bei sachlichen Fehlern wie falschen Investitionen oder unnötigen Ausgaben. Weitere Punkte sind die Vernachlässigung des Vertriebs oder fehlendem Selbstmanagement. Und schließlich gibt es noch die menschlichen Fehlentscheidungen, wie das lange Festhalten an Mitarbeitenden, die man zwar mag, aber nicht braucht, der Vernachlässigung von Familie und Erholung bis zu Zweifeln an der eigenen Person.

Nur wer seine Identität und Mission kennt, kommt zum Erfolg

Ein essenzieller Fehler, der mir besonders am Herzen liegt und den sowohl junge als auch erfahrene UnternehmerInnen machen, ist, dass sie ihre eigene Identität und die des Unternehmens nicht kennen. Wenn Sie erfolgreich sein wollen, dann müssen Sie in erster Linie eine klare Vorstellung davon haben, wer Sie sind, worum es Ihnen geht und wen Sie ansprechen. Die Identität ist das, was die Verbindung zu Ihren KundInnen herstellt. Wenn Sie keine Ahnung haben, was diese Identität ausmacht, welche Werte Sie vertreten und welchen Zweck Sie verfolgen, werden Sie niemanden effektiv ansprechen. Keiner wird eine Verbindung zu Ihnen oder Ihrer Marke aufbauen, wenn Ihre Identität auf „Ich bin nicht sicher, wer ich bin oder worum es mir geht, aber kauf trotzdem mein Zeug!“ basiert. Am Anfang des Erfolgs steht immer die Identität und schon hier werden häufig Fehler gemacht.

Wer sich kennt, wirkt nach innen

Ist die Identität des Unternehmens unklar, dann hat dies nicht nur Auswirkungen auf dem Markt und die KundInnen, sondern wirkt auch auf die Mitarbeitenden. Wie sollten diese sich mit dem Unternehmen identifizieren, wenn die Identität unklar oder nicht vorhanden ist? Schwammige Aussagen wie „Wir sind ein Traditionsunternehmen“ oder „Wir sind ein tolles Start-up“ schaffen kein Emloyer Branding und binden erst recht keine Mitarbeitenden ans Unternehmen, vielleicht fragen diese sich sogar, warum und wofür sie hier eigentlich arbeiten. Je größer das Unternehmen, desto wichtiger ist es, dass die Identität für alle greifbar und erlebbar ist. Viele Unternehmen arbeiten hier mit Leitbildern. Doch ein schickes Bild am Empfang oder auf der Website macht noch lange keine Identität. Wird das Unternehmensleitbild nicht mit Leben gefüllt, ist es so schnell vergessen wie der Name des Praktikanten. Machen Sie also nicht den Fehler auf einem toten Leitbild zu reiten, sondern setzen Sie auf ein lebendiges, um herausordernde Hürden zu meistern.

Fazit

Fehler machen, ist nicht sexy. Und auch wenn es niemand zugeben mag, so macht doch keiner gerne einen Fehler. Daran werden meiner Meinung nach auch die gefeierten „FuckUp Nights“ auf Dauer nichts ändern. Wir müssen vielmehr, konstruktiv mit Fehlern umzugehen und daraus zu lernen. Der Fokus sollte aber immer auf den Zielen liegen, die im Bestfall aus der eigenen Identität heraus entstanden sind.