Betriebsklima stabilisieren bei sinkenden Aufträgen

Wenn Aufträge wegbrechen, kippt zuerst der Ton

Sie sehen den Abschwung selten zuerst im Controlling. Sie hören ihn früher. Im Meeting. Auf dem Flur. In der Werkhalle. Sätze werden kürzer. Rückfragen schärfer. Jeder schützt sein Revier. Genau das zeigen aktuelle Auswertungen. In wirtschaftlich belasteten Unternehmen sinken Zusammenhalt und Führungsqualität, während Druck und Konflikte steigen. Das Betriebsklima leidet messbar. 

betriebsklima

Viele Geschäftsführer und Führungskräfte behandeln das noch immer wie einen weichen Faktor. Ein Fehler. Wenn das Klima kippt, kippt Leistung mit. Der IW-Arbeitsklima-Index zeigt einen engen Zusammenhang zwischen schlechtem Arbeitsklima, sinkender Zufriedenheit, geringerem Engagement und steigender Wechselabsicht. Und Gallup meldet für Deutschland gleichzeitig einen Rekordwert von 45 Prozent Beschäftigten, die aktiv nach einem neuen Job suchen oder offen für einen Wechsel sind. Nur 14 Prozent gelten als engagiert. Das ist keine Stimmungsschwankung. Das ist betriebswirtschaftlicher Sprengstoff. 

Mich treibt an dieser Stelle immer dieselbe Frage um.

Was tun Führungskräfte, wenn der Auftragseingang fällt? Viele ziehen die Schultern hoch und den Kreis enger. Dann dominiert Kostenkontrolle. Dann wird Entwicklung vertagt. Dann sprechen Chefs fast nur noch über Kennzahlen. Genau davor warnen die Daten. Laut Staatsanzeiger fällt der Anteil der Beschäftigten, die ihr Arbeitsklima als gut oder sehr gut bewerten, in wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen von 53 auf 34 Prozent. Die Zusammenarbeit mit der Führungskraft wird dort deutlich spannungsgeladener. 

Hier liegt der eigentliche Punkt. Sinkende Aufträge zerstören das Klima nicht automatisch. Führung tut es. Oder stabilisiert es. Studien der letzten Jahre zeigen genau das. Das Max-Planck-Institut und die im Quarterly Journal of Economics veröffentlichte Feldstudie zu mehr als 3.000 Beschäftigten in 20 Unternehmen belegen, dass ein gezieltes Trainingsprogramm für Führungskräfte und Teams toxischen Wettbewerb senkt, Kollegialität stärkt, die wahrgenommene Werteorientierung verbessert und Fluktuation reduziert. Entscheidend war die bessere Beziehung zwischen Führungskraft und Team. 

Und genau an dieser Stelle greift … das Führungsprinzip Hope & Trust Leadership. Ich formuliert es präzise: Hope Leadership heißt, Zukunft zu erzählen, auch wenn sie unsicher ist. Trust Leadership heißt, Nähe zu schaffen, wo Distanz entsteht. Das Ziel ist Handlungsfähigkeit in Unsicherheit durch Sinn, Beziehung und Stabilität. Das klingt für manche Ohren weich. In Wahrheit ist es harte Führung. Wer in der Krise keine Richtung gibt, erzeugt Gerüchte. Wer keine Nähe zeigt, erntet Rückzug. Wer nur auf Kontrolle setzt, bekommt Dienst nach Vorschrift. 

Mitten in dieser Debatte verweise ich bewusst auf mein Buch Führungskräfte als Hoffnungsträger. Im Kapitel „Vertrauen als fünftes Grundprinzip effektiver Führung“ wird der Punkt scharf gemacht: Klima kippt dort, wo Führung Fehler abwälzt, unklar wird und Authentizität verliert. Vertrauen wächst dagegen durch Konsistenz, Aufmerksamkeit und verlässliches Verhalten. Genau deshalb bleibt Vertrauen in Krisen kein moralischer Luxus. Es ist Führungsarbeit. 

Die Ausrede

Wer jetzt sagt, dafür fehle im Abschwung das Budget, verwechselt Aufwand mit Priorität. Markt und Mittelstand verweist mit Blick auf den Work Wellbeing Report 2025 darauf, dass Beschäftigte heute mehr erwarten als Gehalt. Sinn, Anerkennung, Zugehörigkeit und Balance wiegen stärker. Gleichzeitig zeigt Indeed für Deutschland: Nur jeder fünfte Beschäftigte, genau 21 Prozent, ist im Job zufrieden und kann sich entfalten. Wo Wohlbefinden gezielt gefördert wird, steigen Zielerreichung, Bindung sowie Kreativität und Produktivität deutlich. Wer in der Krise nur Kosten senkt, spart oft am falschen Ende. 

Für den Mittelstand ist das heikel. 

Gerade in Industrie, Maschinenbau, Metall oder Energieversorgung hängen Leistung und Stimmung enger zusammen, als viele wahrhaben wollen. Wenn Aufträge sinken, reichen zwei oder drei Leistungsträger weniger, und plötzlich stockt ein ganzer Bereich. Gallup formuliert den Hebel klar: Manager erklären 70 Prozent der Varianz im Team-Engagement. Anders gesagt: Das Betriebsklima ist in der Krise keine Nebensache des Marktes. Es ist eine Führungsfolge. 

Was heißt das konkret?

Erstens brauchen Ihre Leute Klarheit. Keine Schönfärberei. Aber einen ehrlichen Blick auf Lage, Risiken und nächste Schritte. 
Zweitens brauchen sie sichtbare Fairness. Wer Lasten verteilt, muss Begründungen liefern. Wer Leistung fordert, muss Anerkennung zeigen. 
Drittens brauchen Führungskräfte gerade jetzt Entwicklung. Nicht irgendwann nach der Krise. Sondern mitten in ihr. Sonst führen dieselben Muster, die den Abschwung emotional verschärfen, direkt in Zynismus, innere Kündigung und Abgänge. 

Dass engagierte Belegschaften gerade in Rezessionen robuster performen, betont auch Gallup ausdrücklich. 

Ich würde es so zuspitzen: Bei sinkenden Aufträgen zeigt sich der wahre Reifegrad Ihrer Führung. Jetzt entscheidet sich, ob Sie ein Unternehmen mit weniger Umsatz und stabilem innerem Kern bleiben. Oder ein Unternehmen, das wirtschaftlichen Druck auch noch sozial vervielfacht. Hoffnung ersetzt keine Strategie. Vertrauen ersetzt keine Führung. Aber ohne beides wird Ihre Strategie im Alltag versanden. Oder klarer gesagt: Wenn der Markt enger wird, braucht Ihr Betrieb kein härteres Gesicht. Er braucht eine reifere Führung.

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Unternehmer, Autor, Redner und Consultant für Geschäftsführer und Führungsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Vorstand des Unternehmensberatung Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.

Kostenlose Whitepaper: Leitbild, Leadership, KI & mehr

Exklusive Analysen und Handlungstipps für den Mittelstand. Direkt umsetzbar, kompakt auf den Punkt.

Von KI-Kompetenz für Führungskräfte über resiliente Team-Entwicklung bis hin zum Leitfaden für wirksame Leitbilder: Unsere Whitepaper bieten Orientierung und konkrete Lösungen für aktuelle Herausforderungen in Führung und Management. 


Machen Sie den Perspektivenmacher-Test

Machen Sie den Selbsttest und erhalten Sie eine ehrliche Standortbestimmung sowie konkrete Impulse für Ihre Weiterentwicklung als zukunftsfähige Führungspersönlichkeit.​



Der Newsletter für Entscheider im Mittelstand

Denkanstöße, Strategien und Impulse für wirksame Führung – direkt in Ihr Postfach.

Mit unserem Newsletter erhalten Sie exklusive Einblicke, fundierte Analysen und sofort anwendbare Impulse zu Themen wie Leadership, Resilienz, Selbstführung und Unternehmensentwicklung. Präzise. Relevanzstark. Auf den Punkt.

✅ Für Menschen, die Verantwortung tragen.
✅ Von Experten, die seit über 20 Jahren den Mittelstand begleiten.
✅ Ohne leeres Blabla. Nur Substanz.



Buch: Führungskräfte als Hoffnungsträger

Durch Selbstreflexion und adaptive Strategien in Krisenzeiten bestehen


Der SPIEGEL-Bestseller für Unternehmer und Führungskräfte, die Verantwortung übernehmen und ihr Team als Hoffnungsträger erfolgreich durch jede Herausforderung navigieren wollen.