Wir werden überspült von Hiobsbotschaften. Kriege, die kein Ende nehmen – die anhaltenden Schockwellen des Ukraine-Kriegs und die aktuellen Eskalationen rund um den Iran, deren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und Energiepreise voll durchschlagen. Wenn ich heutzutage an die Zapfsäule fahre, rutscht mir unweigerlich der Gedanke durch den Kopf: „Nein, ich will die Tankstelle nicht kaufen, ich brauche nur Sprit!“ Gewalt, Machtspiele und wirtschaftliche Katastrophen dominieren den Diskurs. Und das Schlimmste daran? Eine toxische Empörungskultur sondergleichen.
Ein System, das den Kompass verloren hat
Wenn ich auf die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse blicke, spüre ich, wie Ärger und Zorn in mir hochkochen. Man muss nicht Mathematik studiert haben, um zu erkennen, dass die Gleichungen hinten und vorne nicht mehr aufgehen. Wir sehen Regierungen, die sich in Widersprüche verstricken und den Eindruck hinterlassen, nichts mehr im Griff zu haben.
- Finanzen & Vertrauen: Da werden 60 Milliarden Euro an Sondervermögen von der deutschen Regierung kurzerhand für was anderes zweckentfremdet, bis das Bundesverfassungsgericht dieses Vorgehen krachend als verfassungswidrig einkassiert. Als Bürger hat man das Gefühl, ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans.
- Wirtschaftskrise & Jobangst: Wir lesen fast täglich von Insolvenzen im Mittelstand und Hiobsbotschaften aus dem Herzstück unserer Industrie. Wenn selbst bei Giganten wie VW oder Porsche massiv gespart wird, Werke zur Disposition stehen und Arbeitsplätze auf der Kippe wackeln, bangen die Menschen völlig zu Recht um ihre berufliche Existenz.
- Heizungs-Chaos & Planungsunsicherheit: Gleichzeitig haben Bürger, die aus reiner Panik vor dem Chaos und den Verboten rund um das Heizungsgesetz in den letzten zwei Jahren Kredite aufgenommen, um ihre Heizungen auszutauschen. Nur um jetzt fassungslos zuzusehen, wie Vorgaben und Aussagen revidiert werde.
- Politische 180-Grad-Wenden: Jahrelang wurde auf politischer Ebene für den Ausstieg aus der Atomkraft gekämpft. Vor wenigen Tagen stellt sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor die Presse, nennt den Atomausstieg faktisch einen „strategischen Fehler“ und kündigt eine Renaissance der Kernenergie mit neuen Milliarden-Investitionen an.
- Gerechtigkeit & Doppelmoral: Wir lesen von Kriegsverbrechen, von Politikern, die ihre Macht missbrauchen und alles andere als „Staatsdiener“ sind. Wir sehen einflussreiche und mächtige Namen auf den Epstein-Listen und... interessiert das überhaupt noch jemanden? Gleichzeitig versagt unser Justizsystem gefühlt auf ganzer Linie, wenn es um das Schlimmste geht: Sexualstraftäter, die sich an Kindern und Teenagern vergehen, kommen oft mit Strafen davon, die wie ein Schlag ins Gesicht der Opfer wirken.
- Mediale Hexenjagden: Und dann sind da die Fälle, die tagelang die Medien dominieren – wie aktuell die schweren Vorwürfe der digitalen Gewalt und des Identitätsdiebstahls gegen Christian Ulmen. Unabhängig von der juristischen Aufarbeitung entlädt sich sofort ein Orkan aus Hass, Vorverurteilung und generalisierter Empörung, getrieben von einem Social-Media-Missbrauch in einer nie dagewesenen Perversion.
Der Kampf in mir: Der „Hoffnungshampelmann“
Und dann stehe ich von dieser Bettkante auf, fahre in meine Firma und setze mich mit Kunden an den Tisch.
Worüber reden wir bei Ben Schulz & Partner? Über Hope und Trust. Über gute Führung. Über Identität, Perspektive und darüber, wie man als Unternehmer zum Hoffnungsträger wird.
Ich gebe ehrlich zu: Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein „Hoffnungshampelmann“.
Wofür tue ich das eigentlich den ganzen Tag? Wie kann ich authentisch von Vertrauen und Hoffnung sprechen, wenn ich selbst tief im Betroffenheitsmodus stecke? Es kostet mich immense Disziplin, mich nicht von diesem Sog mitreißen zu lassen und nicht in dasselbe Horn von Zorn und Empörung zu blasen. Der Drang, einfach mitzuschimpfen, ist oft überwältigend.
Der Impuls, der alles verändert
Aber genau in diesem Moment der Resignation kommt dieser eine, klare Impuls: Nein, Ben. Bleib dran. Mach weiter!
Gerade weil die Welt da draußen scheinbar verrücktspielt. Gerade weil die Politik strauchelt und die Gesellschaft sich in Hass spaltet. Genau deshalb dürfen wir Unternehmer, Führungskräfte und Väter das Feld nicht den Zynikern und den Schreihälsen überlassen.
Hoffnung (Hope) ist keine naive Schönfärberei. Vertrauen (Trust) ist kein PR-Gag. Es sind harte, strategische Entscheidungen. Echte Identität zeigt sich nicht, wenn die Sonne scheint und die Wirtschaft boomt. Sie zeigt sich jetzt. Im Sturm.
Wenn die Institutionen wackeln, müssen wir in unseren Unternehmen, in unseren Teams und in unseren Familien die Anker werfen. Wir müssen Räume schaffen, in denen Verlässlichkeit, Klarheit und eine gesunde Fehlerkultur herrschen. Wir müssen die Führungskräfte sein, die wir uns in der Politik so sehnlichst wünschen würden.
Ich habe mich entschieden: Ich bin lieber ein „Hoffnungshampelmann“, der jeden Tag darum kämpft, etwas Positives aufzubauen, als ein zynischer Beobachter, der nur noch den Untergang kommentiert.
Bleibt dran! Macht weiter!