Das ehrlichste Feedback kommt ohne Worte
Als Berater lebe ich davon, Führungskräften unbequeme Rückmeldungen zu geben. Jetzt bekomme ich selbst eine, und zwar von einer Instanz ohne jede Diplomatie. Mein Körper zieht gerade Bilanz über die letzten Monate. Er fragt nicht, ob es mir passt. Er legt mich flach und wartet, bis ich hinhöre.
Mitarbeitende filtern ihr Feedback, bevor es beim Chef ankommt. Kunden formulieren ihre Kritik höflich. Der Körper tut beides nicht. Was er mir sagt, kann ich noch nicht vollständig lesen. Aber meine Reaktion auf ihn verstehe ich sehr gut. Ich habe verlernt, eine Woche lang unwirksam zu sein. Und wer das verlernt hat, führt irgendwann aus dem Mangel statt aus der Kraft.
Zwei Drittel arbeiten krank weiter
Mit diesem Muster bin ich offenbar in großer Gesellschaft. Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt für 2024: 63 Prozent der Beschäftigten arbeiteten, obwohl sie sich „richtig krank“ fühlten. 44 Prozent taten das länger als eine Woche (DGB). Bei Führungskräften kommt eine weitere Zahl dazu. 21 Prozent von ihnen greifen zu Medikamenten, um trotz Beschwerden leistungsfähig zu bleiben. Bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung sind es 16 Prozent (Techniker Krankenkasse).
Und es bleibt nicht bei der eigenen Person. Der AOK-Fehlzeitenreport hält fest: Leben Führungskräfte krankes Arbeiten vor, orientieren sich die Mitarbeitenden daran. Dein Durchhalten ist also kein privater Akt. Es ist eine Führungsentscheidung mit Wirkung auf den ganzen Betrieb.
Selbstführung beginnt da, wo niemand zuschaut
In „Führungskräfte als Hoffnungsträger“ habe ich Selbstführung als Fundament jeder Führung beschrieben. Diese Woche lerne ich den Teil davon neu, den ich am liebsten überspringe. Wer die Signale des eigenen Körpers übergeht, übergeht auch andere Signale. Die Stille eines Mitarbeiters, der innerlich längst gekündigt hat. Die Zahlen, die seit drei Quartalen in die falsche Richtung zeigen.
Das Führungsprinzip Hope & Trust Leadership steht auf zwei Sätzen. Hoffnung gibt Richtung, Vertrauen gibt Halt. In dieser Woche merke ich, dass beide Sätze auch nach innen gelten. Hoffnung heißt, eine Woche Ausfall als Investition zu lesen und nicht als Verlust. Vertrauen heißt, dass mein Team ohne mich läuft. Und das tut es, ohne dass ich eingreife. Dass mich das trotzdem nervt, sagt mehr über mich als über das Team.
Kontrolle abgeben bedeutet, Vertrauen zu investieren. So steht es auf unserer Seite zu Hope & Trust Leadership. Das ist leichter geschrieben als im Fieber gelebt.
Drei Fragen für deine aktuelle Woche
Ich stelle sie mir gerade selbst, deshalb stelle ich sie dir.
Wann hat dein Körper dir zuletzt ein Signal gegeben, und was hast du damit gemacht? Was passiert in deinem Betrieb, wenn du eine Woche komplett ausfällst? Und ganz ehrlich: Nervt dich die Antwort, oder beruhigt sie dich?
Wenn die Antwort auf die zweite Frage „dann steht alles“ lautet, hast du kein Gesundheitsthema. Du hast ein Führungsthema. Dann hängt zu viel an dir, und dein Führungskreis hat zu wenig Verbindlichkeit entwickelt. Wie du die zurückgewinnst, steht in unserem Whitepaper Führungskultur: Der Realitätscheck für den Mittelstand.
Und wenn du nachts um drei wach liegst und eine Entscheidung im Kopf kreist? Dann gibt es inzwischen einen Sparringspartner, der auch um diese Uhrzeit Rückfragen stellt. Leadership Partner AI ersetzt kein Gespräch mit mir. Aber er sortiert deine Gedanken, bevor du im Fieber Mails schreibst, die du später bereust.
Sobald ich wieder auf dem Motorrad sitze
Ich werde diese Woche nicht romantisieren. Sie nervt, sie kostet, und sie kam zur Unzeit. Aber sie hat mir ein Feedback gegeben, das mir sonst niemand so deutlich gegeben hätte... stimmt nicht so ganz, meine Frau tut das regelmäßig. Aber ich entscheide jetzt, was ich in den nächsten Monaten anders takte.
Wenn du über deine eigene Taktung reden willst, komme ich zu dir in den Betrieb. Mit dem Motorrad, sobald mein Körper das Okay gibt. Ein ehrliches Gespräch über das, was in deiner Führung gerade wirklich zählt.
Bis dahin: Hör hin, bevor dich das Leben ins Bett legt.