Tag 13: Rambo war nicht das Problem, der Umgang mit ihm war es.

Heute geht es um Menschen, die zu schnell als Problem abgestempelt werden.

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Heute bin ich in Hope angekommen. Schon bei der Planung der Tour war mir klar, dass ich an diesen Ort wollte. Der Grund hat mit einem Film zu tun, den ich wahrscheinlich mehr als zwanzig Mal gesehen habe: „Rambo – First Blood“. Das klingt im ersten Moment nach Popkultur, Jugendprägung und Männerkino. Für mich steckt in diesem Film bis heute deutlich mehr. Ein Mann kommt in eine Stadt, wird sofort gelesen, bewertet und aussortiert. Seine Kleidung, sein Auftreten, seine Armut und seine sichtbare Fremdheit reichen aus, damit die Ordnungsmacht ihn als Störung behandelt.

Genau dieser Gedanke blieb heute bei mir hängen.

Die äußere Beobachtung ist einfach: Nach der Etappe von Williams Lake nach Hope liegt diese Stadt vor mir, die für viele Menschen mit Rambo verbunden ist. Die körperliche Beobachtung ist ebenso nüchtern: Rund 400 Kilometer auf der Maschine lassen den Körper merken, dass eine lange Tour aus vielen kleinen Belastungen besteht. Die innere Beobachtung trifft tiefer: Ich habe mich auf diesen Ort gefreut, und plötzlich stehe ich an einem Schauplatz, an dem der Name Hope fast schmerzhaft doppeldeutig wird.

Im Film wird der Name Hope zur bitteren Ironie. Der Ort steht für Misstrauen, Vorurteil und Eskalation. „First Blood“ erschien 1982, wurde von Ted Kotcheff inszeniert und basiert auf dem Roman von David Morrell. Die Geschichte zeigt John Rambo, gespielt von Sylvester Stallone, als Vietnamveteranen, der in einer Kleinstadt auf Sheriff Will Teasle trifft. Viele prägende Szenen wurden in Hope und im nahen Coquihalla Canyon in British Columbia gedreht. 

Ich schreibe das bewusst sachlich, weil mir heute genau daran etwas aufgefallen ist. Der Film funktioniert, weil er die einfache Sortierung verweigert. Rambo ist im ersten Teil eine verletzte, isolierte und innerlich zerrissene Figur. Er landet in einem System, das seine Geschichte ausblendet. Sheriff Teasle sieht einen Störenfried. Die Beamten sehen ein Problem. Die Stadt sieht einen Fremdkörper. Kaum jemand stellt die Frage, was diesem Menschen passiert ist, bevor er an diesem Ort auftaucht.

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Damit sind wir mitten in Führung.

Du kennst solche Momente aus deinem Unternehmen. Ein Mitarbeiter wird schwierig. Eine Führungskraft blockt ab. Ein Kollege reagiert gereizt. Eine Person fällt aus dem Rahmen, verschwindet aus dem sauberen Bild der Organisation und wird innerlich schon als Problem abgeheftet. Danach folgt oft die übliche Mechanik: mehr Druck, mehr Kontrolle, mehr Abstand, mehr Gespräche über die Person statt mit der Person. Das fühlt sich nach Handlungsfähigkeit an, ist aber häufig nur eine saubere Form der Abwehr.

Hope & Trust Leadership beginnt an einer unbequemeren Stelle. Hoffnung entsteht, wenn du einem Menschen wieder eine Zukunft zutraust. Vertrauen wächst, wenn du bereit bist, hinter ein Verhalten zu schauen und das Verhalten trotzdem klar zu benennen. Führung bedeutet dann, die Eskalation zu unterbrechen, bevor sie zur Kultur wird. Das ist schwer, weil du als Unternehmer oder Führungskraft permanent unter Druck stehst. Du hast Termine, Kosten, Kunden, Lieferfristen, Krankmeldungen und Erwartungen auf dem Tisch. Dein Tag lässt wenig Raum für endlose Konfliktgespräche. Gleichzeitig bezahlst du einen hohen Preis, wenn du Menschen vorschnell auf ihr aktuelles Verhalten reduzierst.

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Wer Menschen nur als Störung sieht, verliert irgendwann den Zugang zu ihnen.

Genau hier liegt für mich die Verbindung zwischen Hope und Rambo. Hoffnung ist ein harter Führungsakt, weil sie einem Menschen die Zukunft offen hält. Hoffnung heißt, einen Raum offenzuhalten, in dem Veränderung möglich bleibt. Vertrauen heißt, diesen Raum mit klaren Grenzen, verlässlichem Verhalten und ehrlicher Ansprache zu sichern. Gemeint ist: sauber hinsehen, klare Grenzen halten und den Menschen hinter dem Verhalten im Blick behalten.

In meinem Buch „Führungskräfte als Hoffnungsträger“ schreibe ich darüber, dass Hoffnung ins Handeln führt. Heute würde ich ergänzen: Hoffnung beginnt oft damit, dass du einem Menschen seine Geschichte zurückgibst, statt ihn auf seinen schwierigsten Moment zu verkürzen.

Meine Handlungsempfehlung für heute ist bewusst klein und unbequem: Suche dir eine Person, die du innerlich längst als schwierig abgestempelt hast. Schreib auf, welches konkrete Verhalten dich stört. Danach schreibst du auf, welche Geschichte du dir über diese Person erzählst. Am Ende stellst du dir die Frage, welche Fakten du wirklich kennst und welche Annahmen du nur oft genug wiederholt hast. Danach führst du ein Gespräch, das Klarheit schafft und Würde lässt.

Drei Fragen für deine Selbstreflexion:

  1. Welche Person in deinem Umfeld hast du innerlich längst abgeschrieben, obwohl dir wesentliche Teile ihrer Geschichte fehlen?
  2. Wo erzeugst du durch Druck genau die Eskalation, die du eigentlich verhindern willst?
  3. Welche Form von Hoffnung braucht dein Team gerade, damit Menschen wieder Verantwortung übernehmen können?

Wenn dich diese Fragen treffen, nimm sie mit in deinen Tag. Morgen früh um 07:30 Uhr geht die Mission auf die letzte Etappe weiter.

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PS: Auf der Fahrt nach Hope sind wir an einem aktiven Waldbrand bei North Bend vorbeigekommen. Der Brunswick-Creek-Waldbrand war laut aktuellen Meldungen bereits seit Donnerstag aktiv, inzwischen wurden Häuser evakuiert und Einsatzkräfte von Feuerwehr und BC Wildfire Service waren entlang der Strecke sichtbar im Einsatz. Wir kamen an einem Landeplatz vorbei, an dem ich acht Hubschrauber gezählt habe. Überall waren Feuerwehrfahrzeuge, Crews, Ausrüstung und diese angespannte Konzentration, die sofort klar macht, dass hier gerade niemand über Risiko spricht, sondern mitten darin arbeitet.

Ich bin ungefähr eineinhalb Stunden durch so dichten Rauch gefahren, dass mir danach die Augen gebrannt haben. Später musste ich mir kleinste Aschepartikel aus den Augen waschen, und das Kratzen im Hals ist immer noch da. Das war wirklich heftig. 

Vielleicht gehört genau das heute mit in diesen Newsletter, weil Hope dadurch noch einmal eine andere Schärfe bekommt. Hoffnung ist leicht zu beschwören, solange sie abstrakt bleibt. Auf dieser Strecke wurde sie konkret: in Menschen, die evakuieren mussten; in Einsatzkräften, die blieben; und in der Frage, wie schnell sich ein normaler Tag in eine Lage verwandeln kann, in der Führung keine Theorie mehr ist.

Was bleibt, wenn die Tour vorbei ist?

In 2 Tagen wird die Tour in Vancouver enden. Die Fragen werden bleiben. Genau deshalb gibt es nach der Ankunft erstmals den Executive Debrief zur Mission Hoffnungsträger 2.0. Dort nehme ich dich noch einmal mit in das, was nach 14 Tagen Straße, Druck, Weite, Entscheidungen und Führung wirklich übrig bleibt.

Es wird kein Reisevideo für schöne Erinnerungen. Es wird ein klares Debrief aus Vancouver. Ich werde dort teilen, welche Gedanken geblieben sind, welche Fragen sich verschärft haben und was diese Tour für Führung im Mittelstand bedeutet.

Wenn du dieses Video aus Vancouver sehen willst, trag dich hier ein. Du bekommst den Zugang per E-Mail, sobald der Executive Debrief freigeschaltet ist: https://www.benschulz-partner.de/mission-hoffnungstraeger-2punkt0/debrief/

Die Tour ist dann gefahren. Die eigentliche Führungsfrage beginnt danach.

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Unternehmer, Autor, Redner und Consultant für Geschäftsführer und Führungsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Vorstand des Unternehmensberatung Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.

Mission Hoffnungsträger 2.0: Alaska | Yukon | Kanada

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