Tag 4: Fünf Stunden Werkstatt in Alaska

Ein Techniker in Alaska stellte mir die Frage, die heute zum eigentlichen Leadership-Impuls wurde.

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Heute Morgen war ich früh wach, deutlich früher, als es nötig gewesen wäre.

Die Nacht war unruhig. Mein Kopf hatte keine Lust auf Schlaf, weil um 9 Uhr der Termin in der Werkstatt anstand. Dann würden wir wissen, was mit der Maschine wirklich los ist. Dann würde sich zeigen, ob die Probleme lösbar sind. Dann würde aus Hoffnung entweder Bewegung werden oder eine andere Form der Weiterreise.

Ich bin eine Stunde lang hinter dem Motel im Wald unterwegs gewesen. Der Wald war still. Ich war es nicht. Ich habe versucht, meine Gedanken zu sortieren, bevor ich wieder vor anderen Menschen funktionieren musste. Da war diese äußere Beobachtung des Tages: Bäume, nasser Boden, frühes Licht, ein Motel im Rücken und eine Entscheidung vor mir, auf die ich nur begrenzt Einfluss hatte. Körperlich war ich angespannt. Unruhige Nacht, Druck im Brustkorb, zu viel Adrenalin für einen normalen Morgen. Wenn mir heute jemand ein EKG angelegt hätte, wäre daraus wahrscheinlich eine ziemlich wilde Landschaft geworden.

Innerlich war es noch unordentlicher. Ich wollte stark bleiben, aber ich merkte, wie sehr mich diese Situation getroffen hat. Die Indian ist für mich mehr als ein Motorrad. Sie ist Teil dieser Mission, Teil des Bildes, Teil des Satzes: Wenn du führen willst, fahr voraus.

Heute Vormittag war diese Form offen.

Ich hatte am Morgen auf LinkedIn geschrieben, dass die Mission weitergeht, aber die Form noch unklar ist. Genau so war es. Ich wollte diese Entscheidung sauber treffen. Aus Verantwortung, aus Realitätssinn, aus Respekt vor der Strecke und vor dem Team.

Dann begann die Arbeit bei Delta Powersports.

Fünf Stunden hat das Team dort alles unternommen, um mir zu helfen. Sie haben an der Maschine gearbeitet, geprüft, angepasst, wieder getestet, wieder nachjustiert. Arbeit an der Maschine, Probefahrt, wieder dran, wieder Probefahrt. Einer der Techniker ist sogar mit mir losgefahren zu seinem Bruder, um elektronische Teile von zu Hause zu besorgen. Diese Hilfsbereitschaft hat mich getroffen. Da war kein großes Gerede. Da war einfach Einsatz. Jede Stunde kam jemand zu mir und fragte, ob es mir gut geht. Sie haben sich wirklich rührend gekümmert. In einer Situation, in der ich innerlich zwischen Hoffnung und Zweifel hing, standen da Menschen, die Verantwortung übernommen haben, obwohl es am Ende meine Maschine, meine Tour und meine Entscheidung blieb. Nach fünf Stunden schaute mich der Techniker an und sagte: „Ich glaube, jetzt kannst du fahren.“

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Ich musste erst einmal raus. Ich setzte mich hinter die Halle und rauchte eine. Es war einer dieser Momente, in denen der Körper langsamer ist als die Nachricht, die gerade angekommen ist. Die Maschine läuft wieder. Die Fahrt kann weitergehen. Genau das hatte ich gewollt. Und trotzdem war ich noch nicht sofort bereit, innerlich aufzusteigen.

Dann kam Brody.

Er fragte, was los sei. Ich erzählte ihm, welche Achterbahnfahrt die letzten 24 Stunden für mich waren. Der Schaden, die Unsicherheit, die Frage nach der Weiterfahrt, der Druck, die Verantwortung vor dem Team und die Sorge, dass ausgerechnet das Symbol dieser Mission wackelt. Dann sagte er einen Satz, der mich härter traf als jede technische Diagnose. Er fragte mich sinngemäß: „Hast du kein Vertrauen? What about your trust?“

Da saß ich hinter einer Werkstatt in Alaska, rede seit Monaten über Hope & Trust Leadership und werde von einem Techniker mit meiner eigenen Botschaft konfrontiert. Ich erzähle Unternehmern, dass Hoffnung Richtung gibt und Vertrauen Menschen aktiviert. Heute musste ich mir selbst eingestehen, dass Vertrauen für mich gerade kein Konzept war, sondern eine konkrete Entscheidung. Vertrauen klingt leicht, solange es abstrakt bleibt. Vertrauen wird unbequem, wenn du wieder auf die Maschine steigen sollst, obwohl dein Kopf noch alle Bilder der letzten Stunden abspielt. Vertrauen wird konkret, wenn ein Techniker dich anschaut und sagt, dass du fahren kannst. Vertrauen wird konkret, wenn dein Team bereit ist. Vertrauen wird konkret, wenn du selbst entscheiden musst, ob du wieder Fahrt aufnimmst.

Ich sagte zu Brody: „Du hast recht.“

Jetzt war der Moment, wieder aufzusteigen. Der Moment, der Maschine zu vertrauen. Der Moment, mir selbst zu vertrauen. Der Moment, aus der inneren Warteschleife wieder in Bewegung zu kommen. Am Nachmittag machten wir uns fertig und fuhren los in Richtung kanadische Grenze, die noch rund 380 Kilometer entfernt war.

Jetzt sitze ich in Kanada. Die Maschine läuft wieder wie ein Uhrwerk.

Ich muss gerade schmunzeln, weil Brody mir zum Abschied noch einen Satz mitgab. Er sagte, dieser Maschine würde er mehr vertrauen als jedem anderen Fahrzeug.

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Vielleicht war genau das die Führungsschule dieses Tages. Führung unter Druck bedeutet, der Realität ins Gesicht zu schauen, Hilfe anzunehmen, die Lage sauber zu prüfen und dann eine Entscheidung zu treffen. Hoffnung heißt heute: Richtung halten, auch wenn die Form kurz offen war. Vertrauen heißt heute: Menschen glauben, die ihr Handwerk verstehen, und dem eigenen Mut wieder erlauben, sich zu bewegen.

Im Mittelstand sieht das oft anders aus, fühlt sich aber ähnlich an. Da steht vielleicht keine Indian in der Werkstatt. Da steht ein Projekt still. Ein Kunde wackelt. Eine Schlüsselperson fällt aus. Eine Entscheidung hängt in der Luft. Und plötzlich merkst du, dass du zwar viel über Vertrauen sprichst, aber in Wahrheit wieder alles selbst absichern willst. Dein Team spürt das. Menschen merken, ob du Vertrauen nur einforderst oder selbst praktizierst. Sie merken, ob du Verantwortung teilst oder Kontrolle nur anders verpackst. Sie merken, ob du aus Angst entscheidest oder aus Klarheit.

Hope & Trust Leadership beginnt genau dort: Hoffnung gibt Richtung, Vertrauen aktiviert Menschen, Handlungsfähigkeit entsteht durch den nächsten verantwortbaren Schritt.

Heute war dieser Schritt für mich sehr konkret. Ich sitze wieder auf meiner Indian. Und ich weiß: Das Vertrauen war heute reparaturbedürftiger als die Maschine.

Drei Fragen für deinen Tag

  1. Wo sprichst du in deinem Unternehmen über Vertrauen, obwohl du selbst innerlich noch festhältst?
  2. Wem müsstest du heute glauben, weil diese Person näher an der Realität ist als dein Kontrollbedürfnis?
  3. Welche Entscheidung wartet gerade darauf, dass du wieder Fahrt aufnimmst?

Wenn dich diese Frage trifft, nimm sie mit in deinen Tag. Und wenn du die Mission weiter begleiten willst, bleib im Newsletter und komm in den WhatsApp-Kanal. Morgen früh um 07:30 Uhr geht es weiter.

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Unternehmer, Autor, Redner und Consultant für Geschäftsführer und Führungsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Vorstand des Unternehmensberatung Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.

Mission Hoffnungsträger 2.0: Alaska | Yukon | Kanada

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