Wenn du mich vor einem halben Jahr gefragt hättest, ob ich konsequent bin, hätte ich zu schnell Ja gesagt. Heute antworte ich langsamer. Und ehrlicher.
Ich habe in den letzten Monaten etwas an mir beobachtet, das mir nicht gefällt. Ich rede mir Ausnahmen schön. Ich merke, wie meine Standards gegenüber mir selbst still absinken, wenn niemand hinschaut. Nichts Großes. Kleine Zusagen, aufgeschobene Rückrufe, halbherzige Entscheidungen. Und trotzdem ist es genau das Muster, das ich Führungskräften seit Jahren in Workshops vorhalte. Wenn ich es bei mir sehe, sehe ich es überall.
Es gibt einen Satz, den mir ein Klient vor einigen Wochen entgegengehalten hat und der bei mir seitdem sitzt. Gute Zahlen sind keine Führungsamnestie. Ich habe diesen Satz zum Kern meines Artikels in der aktuellen Handelsblatt-Sonderbeilage gemacht. Er beschreibt genau das, was mir im Mittelstand aktuell am häufigsten begegnet: Geschäftsführende, die eine überfällige Entscheidung mit den Ergebnissen der betreffenden Person begründen. Ein Produktionsleiter liefert. Also lässt man ihn gewähren, obwohl sein Team leidet. Eine Mitarbeiterin ist fachlich stark. Also übersieht man, dass sie seit Monaten zu spät kommt. Ein Konflikt im Führungskreis lähmt alles. Also nennt man das Aussitzen strategisch reifen lassen.
Ich habe das lange als individuelles Zögern gelesen. Inzwischen sehe ich darin ein Muster, das sogar in Zahlen greifbar wird. Die Trendstudie Leadership Mittelstand 2026 von Frank Plümer zeigt eine Lücke, an der ich lange gekaut habe. 98,7 Prozent der befragten Unternehmen erwarten einen positiven wirtschaftlichen Effekt durch Investitionen in Führungskompetenz. Nur 44 Prozent bilden ihre Führungskräfte regelmäßig weiter. Wir wissen also, was zu tun wäre. Wir tun es nur nicht. Und wer glaubt, das läge am Widerstand der Mitarbeitenden, sollte einen Blick in das aktuelle Working Paper 397 der Hans-Böckler-Stiftung werfen. Über 80 Prozent der Beschäftigten stehen Modernisierungen offen oder neutral gegenüber. Die Bremse sitzt nicht unten. Sie sitzt in inkonsequenten Managementvorgaben und widersprüchlicher Umsetzung. Anders gesagt: bei uns. Tony Simons hat in seiner viel zitierten Metaanalyse zur Behavioral Integrity schon 2015 gezeigt, worauf unsere Leute eigentlich reagieren. Nicht auf unsere Werte. Sondern auf die Übereinstimmung zwischen Wort und Tat. Diese Übereinstimmung wirkt stärker auf Vertrauen, Leistung und freiwilliges Engagement als klassische moralische Integrität. Übersetzt heißt das: Deine Mitarbeitenden bewerten dich nach deinem Freitag im Vergleich zu deinem Mittwoch. Nicht nach deinem Leitbild.
Was mich zusätzlich irritiert, ist der Zeitgeist, in dem sich dieses Muster besonders gut versteckt. Vor ein paar Wochen sind mir zehn Kacheln in den Feed gespült worden. Zehn Prinzipien für den Stoizismus im Alltag. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Konzentriere dich auf deine Denkweise. Übe Achtsamkeit. Ich habe sie gespeichert, weil ich sofort gemerkt habe, wie leicht sich genau diese Sätze zur Ausrede umbauen lassen. „Akzeptiere, was du nicht ändern kannst" ist ein wunderbarer Satz. Er ist auch der bequemste Freibrief für jede aufgeschobene Personalentscheidung, die du sehr wohl treffen könntest. Der historische Stoizismus hat das übrigens umgekehrt gemeint. Marc Aurel hat morgens Feldzüge angeführt und abends geschrieben, nicht umgekehrt. Selbstbeherrschung war Voraussetzung fürs Handeln, nicht Ersatz.
Der Artikel in der Handelsblatt-Sonderbeilage
Ich habe die letzten Wochen genutzt, um dieses Thema für Geschäftsführende und Führungskreise scharf zu machen. Der Artikel steht in der aktuellen Sonderbeilage und ist online hier zu lesen: Führung beginnt, wo Ausreden enden. Er dreht sich um vier Beobachtungen aus meinem Beratungsalltag. Warum vertagte Gespräche eine stille Ankündigungsschuld erzeugen, die dich mehr kostet als das Gespräch selbst. Warum gute Zahlen keine Führungsamnestie sind. Warum wer den vermeintlich Unersetzlichen schützt, häufig zuerst die Guten verliert. Und was du in den nächsten 24 Stunden nach der Lektüre konkret tun kannst.
Am Ende steht eine kleine Übung, die ich selbst seit Wochen nutze. Sie beginnt mit fünf Worten: Ich akzeptiere nicht mehr, dass. Vervollständige den Satz für dich und setze innerhalb von 24 Stunden eine sichtbare Konsequenz. Ein Gespräch. Eine Entscheidung. Eine klare Grenze.
Woran wir bei unseren Kunden arbeiten
Ich schreibe dir diesen Newsletter nicht nur, damit du meinen Artikel liest. Ich schreibe ihn, weil wir aus dieser Beobachtung ein Produkt entwickelt haben, das genau die Lücke schließt, um die es hier geht.
Wir setzen bei ausgewählten Kunden Leadership Partner AI ein. Es ist ein von uns entwickelter, spezialisierter KI-Sparringspartner für Führungskräfte im Mittelstand. Er ist kein Chatbot und keine allgemeine KI. Er basiert auf der Ben Schulz & Partner-Führungslogik und arbeitet dialogisch. Er klärt erst Situation, Rolle und Wirkung, bevor er einen Impuls gibt. Führungskräfte nutzen ihn vor schwierigen Gesprächen, in Entscheidungssituationen unter Druck und in Konflikten im Führungsteam. Also genau in den Momenten, in denen zwischen Workshop und Alltag sonst niemand da ist. Der Zugang ist bewusst exklusiv gehalten. Leadership Partner AI ist öffentlich sichtbar, aber nur nach persönlicher Freigabe nutzbar. Auch Demo-Zugänge werden individuell geprüft.
Warum das? Weil wir bei unseren Kunden sehen, was passiert, wenn eine Führungskraft nach einem Workshop nach drei Wochen wieder in ihrem Alltag alleine steht. Die Erkenntnis war da. Die Umsetzung fehlt. Leadership Partner AI schließt exakt diesen Transferpunkt. Er ersetzt weder Coaching noch unsere Beratung. Er sorgt dafür, dass Führungswissen im Alltag ankommt, statt im Handout zu verblassen. Für Geschäftsführung und obere Führungsteams heißt das: schnellere Handlungsfähigkeit, Entwicklung an realen Situationen, konsistente Anwendung der eigenen Führungsprinzipien über den Führungskreis hinweg.
Wenn du merkst, dass du selbst festhängst
Das ist der Kern dessen, was ich das Führungsprinzip Hope & Trust Leadership nenne. Hoffnung gibt Richtung. Vertrauen gibt Halt. Vertrauen entsteht ausschließlich dort, wo Worte und Taten sich decken. Und wenn du einen Punkt in deinem Führungskreis erkennst, an dem genau das gerade nicht gelingt, komme ich zu dir raus. Mit dem Motorrad. Ins Werk, in die Firma. Zwei Stunden ehrliches Gespräch über die Zusagen zwischen deinem Anspruch und deinem Alltag. Kein Deck. Keine Show. Wir finden einen Termin.
PS: Wenn dieser Beitrag dich an eine Person in deinem Führungskreis erinnert, leite ihn ihr weiter. Wenn er dich an dich selbst erinnert, ist das der eigentliche Anlass zu antworten.