Wir neigen als Führungskräfte im Mittelstand oft dazu, solche Momente zu überspielen. Wir setzen auf Optimismus, auf das schnelle „Wir fokussieren uns auf die Quartalsziele“. Doch gerade jetzt funktioniert das nicht.
Toxische Positivität erzeugt in Krisenzeiten Distanz, nicht Sicherheit. Die größte Gefahr besteht darin, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Wer das versucht, riskiert nicht nur die Motivation seines Teams, sondern auch die eigene Handlungsfähigkeit. Wie navigieren wir also durch diesen Nebel?
Impuls 1: Radikale Akzeptanz statt falscher Antworten
Du musst kein geopolitischer Analyst sein, um dein Team zu führen. Was zählt, ist die Anerkennung der Realität. Ein einfaches „Wie geht es euch heute mit der Nachrichtenlage?“ öffnet einen Raum, in dem Mitarbeitende Mensch sein dürfen. Sie dürfen ihre Sorgen äußern, und du hörst zu, ohne sofort Lösungen parat zu haben.
Genau solche Räume beschreibe ich in meinem Buch Führungskräfte als Hoffnungsträger: Führung in unsicheren Zeiten beginnt damit, Halt zu geben, bevor Antworten kommen. Das Führungsprinzip Hope & Trust Leadership lebt genau davon – Vertrauen schaffen, während die Zukunft im Außen ungewiss ist.
Impuls 2: Fokus auf den "Einflussbereich"
Die Nachrichten überschlagen sich. Aber wir können das Weltgeschehen nicht ändern. Wir können jedoch steuern, wie wir heute miteinander umgehen, wie wir unsere Kunden betreuen und welche Prioritäten wir setzen. Diesen Einflussbereich nennt Stephen Covey den „Circle of Influence“ (oder Circle of Control).
Indem du die Energie deines Teams sanft zurück in diesen kontrollierbaren Bereich lenkst, verschaffst du Orientierung. In der Praxis heißt das:
- Entscheidungen sichtbar machen
- Verantwortlichkeiten klar zuordnen
- Deadlines gemeinsam prüfen und anpassen
Dein Team spürt so unmittelbar: Hier können wir gestalten, statt machtlos zu sein.
Impuls 3: Erwartungshaltung anpassen
Hohe Unsicherheit schlägt unweigerlich auf die Produktivität durch. Die kognitive Last senkt kurzfristig die Leistungsfähigkeit. Jetzt zählen Geduld, Flexibilität und die Bereitschaft, Prioritäten zu verschieben. Mikromanagement ist jetzt absolut kontraproduktiv.
Viel wichtiger ist es, Verständnis zu zeigen und gemeinsam Wege zu finden, wie Aufgaben trotz schwieriger Umstände erledigt werden können. Wer in solchen Momenten die eigene Reaktionsfähigkeit demonstriert, stärkt das Vertrauen und die Resilienz des Teams nachhaltig.
Fazit: Stärke zeigt sich im Halten, nicht im Vorspiegeln
Wahre Führungsstärke zeigt sich nicht darin, unerschütterlich zu wirken. Sie zeigt sich darin, Halt zu geben, während man gemeinsam durch den Nebel navigiert. Die Rolle der Führungskraft wandelt sich: Du bist Anker, Mentor und Navigator zugleich. Du erzeugst Sicherheit, ohne alle Antworten zu haben. Du inspirierst, statt zu belehren. Und du nutzt die Krise als Chance, Hoffnung und Perspektive sichtbar zu machen.
Meine Frage an euch: Wie erlebt ihr die Stimmung aktuell in euren Teams? Was tut ihr konkret, um in diesen unruhigen Zeiten ein Anker zu sein?
Nutzt die nächsten Team-Meetings, um das Prinzip Hope & Trust Leadership zu leben: Erkennt die Situation an, stärkt den Einflussbereich und kommuniziert Erwartungen klar. Denn am Ende entscheidet nicht die Anzahl der Antworten, die wir liefern, sondern unsere Fähigkeit, in stürmischen Zeiten Orientierung zu geben und Hoffnung zu entfachen.