Meine härtesten Lektionen aus 2025

Wenn du meinen LinkedIn-Feed aus 2025 anschaust, wirkt alles wie eine saubere Erfolgsgeschichte. Mein Buch „Führungskräfte als Hoffnungsträger“ landet direkt auf der Bestsellerliste. Wir werden als „Innovator 2025“ ausgezeichnet. Wir meistern anspruchsvolle Mandate. Und mit der „Mission Hoffnungsträger“ bringen wir ein Leadership-Expedition in Norwegen auf die Straße.

Lektionen-2025

Auf dem Papier war 2025 ein Triumph.

In der Realität war es das Jahr, in dem ich gelernt habe, dass Hoffnung kein weiches Kissen ist. Hoffnung ist ein Brett. Schwer. Unbequem. Und manchmal trifft es dich genau dann, wenn du glaubst, alles im Griff zu haben.

Die Wahrheit von 2025 liegt nicht in Awards. Sie liegt in den Momenten dazwischen. Dort, wo keiner zuschaut.

Es gab Nächte, in denen ich auf der Couch saß und nicht wusste, wie der nächste Schritt aussieht. Zwei, drei oder mehr. Tagsüber habe ich Führungskräfte stabilisiert, Orientierung gegeben, Entscheidungen eingeordnet. Abends habe ich mich gefragt, wie stabil ich selbst eigentlich noch bin. Das ist die Seite von Führung, über die kaum jemand spricht. Weil wir gelernt haben, dass Zweifel nicht ins Bild passen. Ein fataler Irrtum.

Ich musste Menschen loslassen, die mir nah waren. Und ich musste akzeptieren, dass Loyalität für manche nur ein Wort ist, solange es bequem bleibt. Loyalität zeigt sich nicht im Sonnenschein. Sie zeigt sich im Sturm.

Der symbolische Tiefpunkt kam am ersten Weihnachtsfeiertag. Notfall. Zahnarzt. Wurzelbehandlung. Während andere Kerzen anzündeten, lag ich unter grellem Licht und spürte Schmerz statt Besinnlichkeit. Willkommen in der Realität unternehmerischer Verantwortung.

In 2025  fühlte ich mich oft wie der Hoffnungshampelmann. Ich stand auf Bühnen, schrieb Artikel, coachte CEOs und fragte mich innerlich: Wer gibt eigentlich mir Hoffnung? Genau dort lag die Erkenntnis. Hoffnung ist kein Zustand. Hoffnung ist Arbeit. Und sie beginnt nicht dort, wo alles läuft. Sie beginnt dort, wo es wackelt.

Der intensivste Moment kam in Norwegen. Mitten in der „Mission Hoffnungsträger“. Dort habe ich verstanden, was Selbstführung 2.0 wirklich heißt. Nicht Methoden. Nicht Routinen. Sondern das Selbst tatsächlich in Führung zu bringen. Wir halten zu selten inne. Wir reflektieren zu wenig. Und wir unterschätzen brutal, welche Kraft unser eigenes Selbst hat, wenn wir ihm Raum geben.

Der schmerzhafteste Moment kam nicht dort. Er kam danach. Als mir klar wurde: Jetzt gehst du zurück. Zurück in Termine. In Erwartungen. In Verpflichtungen. Zurück in ein selbstgebautes Gefängnis, das nach Verantwortung aussieht. Ich saß heulend auf einem Motorradanhänger in Finnland. Neben mir meine Frau Alex. Kein Drama. Kein großes Gespräch. Sie legte den Arm um mich, schaute mich an und sagte diesen einen Satz, den wir uns in solchen Momenten immer sagen: „Wir schaffen das. Weil wir ein super Team sind.“ Dieser Satz sitzt bis heute im Körper.

Ohne Alex hätte ich dieses Jahr nicht getragen. Sie war Fels, wenn ich wankte. Spiegel, wenn ich mich verrannte. Hope & Trust Leadership beginnt nicht im Büro. Es beginnt zu Hause. In Beziehungen, die halten, wenn Titel und Rollen nichts mehr helfen.

Und es liegt an meinem Team. Menschen, die geblieben sind, als es unbequem wurde. Die Verantwortung übernommen haben, den Laden zusammenhielten und mir den Rücken freihielten, während ich innerlich sortierte. Loyalität ist kein Konzept. Sie ist gelebtes Verhalten.

Um bei mir zu bleiben, brauchte ich 2025 zwei sehr unterschiedliche Formen von Pferdestärken. Motorradfahren und Westernreiten. Auf dem Motorrad gibt es kein Gestern und kein Morgen. Du bist da. Oder du liegst. Fokus ist keine Methode. Fokus ist Überleben. Und das Pferd? Ein Pferd interessiert sich nicht für Bestsellerlisten oder Auszeichnungen. Es reagiert auf Klarheit, Ruhe und innere Führung. Wenn du nervös bist, wird es nervös. Wenn du führst, folgt es. Beides hat mich geerdet. Beides verzeiht keine Unachtsamkeit. Beides zwingt dich ins Hier und Jetzt.

Ich gehe nicht mit naivem Optimismus in 2026.

Ich gehe mit Narben hinein, die gut verheilt sind. Und mit einer tieferen Bedeutung von Václav Havels Satz: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Wenn ich dem Ben von damals etwas sagen dürfte, dann genau das:

  • Sei dir loyal.
  • Erkenne dein Selbst mit allen Qualitäten.
  • Gib acht auf dich.
  • Und agiere taktisch klug aus der Ruhe.

Das ist kein Wohlfühlprogramm. Das ist Führung. Und es ist ein Teil von Hope & Trust Leadership.

Ich bin kein Hoffnungsträger, weil ich immer lächle. Ich bin einer, weil ich stehen bleibe. Mit Klarheit. Mit Menschen an meiner Seite. Und mit der Bereitschaft, mich selbst weiterzuentwickeln.

Kommt gut rüber. Wir sehen uns im neuen Jahr.

Ben

Es gibt keinen bequemen Weg von der Erde zu den Sternen. / "Non est ad astra mollis e terris via" - Seneca

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Unternehmer, Autor, Redner und Consultant für Geschäftsführer und Führungsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Vorstand des Unternehmensberatung Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.

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