Macher am Limit: Wann wird aus Ihrem Unternehmergeist eigentlich pure Verzweiflung?

Sie stehen jeden Morgen auf, bereit, Ihr Unternehmen zu führen. Doch schon nach den ersten Minuten am Schreibtisch spüren Sie: Das Hamsterrad dreht sich schneller. Es ist nicht mehr die eine Krise, die Sie herausfordert. Es ist ein ständiger Strom aus Energiepreisschocks, Fachkräftemangel, Digitalisierung, bürokratischem Ballast. Permakrisen fordern alles von Ihnen, und irgendwann bleibt nur die Frage: Wann wird aus Machergeist pure Verzweiflung?

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Die Last der Dauer-Transformation

Die Welt erwartet von Ihnen Flexibilität. Ständig. Gestern die Lieferkette gerettet, heute die IT-Prozesse optimiert, morgen ein neues Geschäftsmodell. Sie reagieren, löschen Feuer, halten das Schiff über Wasser. Aber was bleibt für die Zukunft? Den Spagat zwischen operativem „Überleben“ und strategischer Weitsicht spüren Sie körperlich. Sie kennen das Gefühl, dass alles zu viel ist. Dass die Verantwortung Ihnen auf den Schultern lastet und das schlechte Gewissen wächst, weil die langfristige Zukunft des Unternehmens leidet. Selbst Fredmund Malik betont: Wer nur reagiert, statt professionell zu führen, verbrennt sich die Energie und vernachlässigt das Ergebnis, das wirklich zählt .

Angst vor Kontrollverlust vs. Loslassen

„Delegieren heißt verlieren“, hören viele in sich selbst. Shared Leadership, flache Hierarchien – theoretisch erstrebenswert, praktisch eine Zumutung. Verletzlichkeit zeigen, Unsicherheit eingestehen, Vertrauen in andere – das ist das Gegenteil von allem, was Sie jahrelang trainiert haben. Aber ohne genau diese Schritte gibt es keine psychologische Sicherheit im Team. Ohne Vertrauen wird alles schwerfällig, der Unternehmensmotor stottert, und Sie merken: Ihre Energie fließt in Kontrolle, nicht in Führung.

Emotionale Einsamkeit an der Spitze

Sie sind allein an der Spitze. Ob Nachfolgeplanung oder wirtschaftlich angespannte Zeiten: Niemand teilt die Last wirklich. Sie spüren den Druck von Banken, Politik, Mitarbeitenden, Kunden. Wer sollte Ihnen einen Spiegel vorhalten? Wer Sie ehrlich herausfordern? Hoffnung und Perspektive werden rar. In meinem Buch Führungskräfte als Hoffnungsträger zeige ich auf Seite 34, wie man diese Einsamkeit konstruktiv durch Sparring und gezielte Selbstreflexion durchbricht, statt daran zu verzweifeln.

Frustration über bürokratische Ohnmacht

Regeln, Vorgaben, endlose Formulare – der Staat als ständiger Bremser. Die Wut steigt, Resignation auch. Doch gerade diese Frustration kann Energie sein. Entscheidend ist, wie Sie diese Wut umleiten: in klare Entscheidungen, mutige Initiativen, innovative Projekte. Wer wartet, verliert. Wer handelt, gestaltet.

Sorge um das Wir-Gefühl

Hybrides Arbeiten, Fachkräftemangel, innere Kündigungen – all das nagt am Zusammenhalt, am Wir-Gefühl. Früher stand die loyale Stammbelegschaft wie eine Burg hinter Ihnen. Heute müssen Sie Sinn stiften, Empathie managen, Motivation erzeugen. Viele Führungskräfte werden dadurch überfordert. Es reicht nicht, fachlich zu glänzen. Sie müssen zum Hoffnungsträger werden, der Orientierung gibt und aktiv Perspektive schafft.

Das Führungsprinzip Hope & Trust Leadership liefert hier ein Instrument. Es fordert nicht nur die Sicht auf den Einflussbereich, sondern auch die aktive Pflege von Vertrauen und Hoffnung im Team. Hoffnung ist keine leere Phrase, sondern ein Handlungsprinzip: Sie erzeugt Engagement und verankert eine Kultur, in der Menschen wachsen können.

Wann wird es zu viel?

Fragen Sie sich ehrlich:

  • Wie oft schlafen Sie mit dem Gefühl ein, dass alles von Ihnen abhängt?
  • Wie oft reagieren Sie, statt zu führen?
  • Wie oft fühlen Sie sich isoliert, während Entscheidungen über Ihre Schultern gehen?

Wenn diese Fragen mehr als einmal pro Woche mit „zu oft“ beantwortet werden, ist der Punkt erreicht, an dem aus Machergeist Verzweiflung wird. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn wer erkennt, dass Führung heute mehr ist als Kontrolle, der kann die Energie in strategische Wirkung umwandeln.

Wege aus der Verzweiflung

  1. Selbstführung stärken: Reflektieren Sie Ihre eigenen Grenzen, Prioritäten und Stärken. Führen Sie sich selbst, bevor Sie andere führen.
  2. Delegation üben: Verantwortung abgeben ist kein Kontrollverlust. Es multipliziert Ihre Wirkung und stärkt das Team.
  3. Emotionale Nähe zulassen: Suchen Sie sich Sparringspartner. Reden Sie offen über Herausforderungen und Entscheidungen.
  4. Wir-Gefühl aktiv gestalten: Leitbild , Werte, Kultur – leben Sie sie sichtbar und messbar. Ein funktionierendes Leitbild verbindet und motiviert.
  5. Hope & Trust Leadership praktizieren: Hoffnung und Vertrauen aktiv fördern, statt nur auf Ergebnisse zu starren.

Verzweiflung ist kein Schicksal. Sie ist ein Warnsignal. Wer sie erkennt, reflektiert, handelt und sich selbst führt, wird zu einem Hoffnungsträger. Und genau diese Hoffnung strahlt weiter in das Team, in das Unternehmen, in die Gesellschaft.

Ihr Unternehmergeist kann wieder Energie sein – statt purer Verzweiflung.

Ben Schulz
Autor: Ben Schulz

Ben Schulz ist Unternehmer, Autor, Redner und Consultant für Geschäftsführer und Führungsteams in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Vorstand des Unternehmensberatung Ben Schulz & Partner AG legt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit, gemeinsam mit seinem Team, auf die Schwerpunkte Unternehmensleitbildentwicklung, Kulturwandel, Führungskräfteentwicklung und strategischen Unternehmersparrings, bei denen es um die Steigerung von Perfomance geht.

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