Was macht eine gute Führungskraft aus?

„Fachkenntnisse und Finanzwissen reichen nicht mehr aus. Empathie und soziale Fähigkeiten entscheiden über die Karriere im Topmanagement.“ Aus welcher Zeit stammen diese Zeilen Ihrer Meinung nach? Nun sie sind aktuell und wurden so im Harvard Business manager 2/2023 gedruckt. Wow, was für eine Erkenntnis, ging es mir da durch den Kopf. Social Skills, von denen wir schon seit Jahren sprechen, sind wohl endlich angekommen. Doch warum ist ausgerechnet jetzt im Magazin die Rede davon, dass andere Zeiten andere Führung brauchen und CEOs, die vor 20 Jahren erfolgreich waren, heute kläglich scheitern könnten?

„Wer als Führungskraft aufsteigt und wer scheitert, wer geliebt wird und wer kritisiert, habe vor allem mit dem Zeitgeist zu tun“, schreibt Nitin Nohria, ehemaliger Dekan der Harvard Business School. Weiter sagt er: „Eine Person, die in einer Epoche beeindruckende Erfolge feiert, kann in einer anderen kläglich scheitern.“ Die Führung hat seinen Gedanken nach mehr mit dem jeweiligen Zeitgeist zu tun als mit dem Charakter. Weiter wird beschrieben, dass was früher gar nicht ging, heute von Vorteil ist – und dann noch eine „Erkenntnis“ – „Was uns als Menschen abhebt, ist unsere Fähigkeit zur Empathie. Gefragt sind Vorstände, CEOs und Managerinnen, die mit Menschen umgehen können und diverse Perspektiven ins Unternehmen tragen.“ Geschlossen wird das Editorial dieser Ausgabe mit den Worten: „Wir stehen am Beginn einer Zeitenwende. Das betrifft nicht nur CEOs, sondern jede einzelne Führungskraft.“ Ich sage, wir sind mittendrin in der Zeitwende und stehen nicht erst am Beginn. Wer jetzt nicht anfängt, seine Rolle als Führungskraft zu hinterfragen und sich seiner Verantwortung stellt, wird untergehen. 

Welche Führungskraft bin ich? 

In der Führung haben wir noch immer das Problem, dass es keine klassische Ausbildung oder ein wirkliches Studium dafür gibt. Und selbst wenn, dann seien Sie jetzt einmal ganz ehrlich: Würden Sie jemanden, der frisch aus dem Studium kommt, direkt auf eine Führungsposition setzen? Was würden die langjährigen Mitarbeitenden dazu sagen, wenn Heinrich Grünschnabel mit frischem Masterabschluss jetzt die Abteilung leiten soll?

Also wird es in vielen Unternehmen weiterhin so bleiben, dass Führungspositionen von Mitarbeitenden besetzt werden, die aufgrund ihrer Erfahrung oder Expertise dafür auserkoren wurden. Und jetzt? Was sollen diese Führungskräfte alles machen. Sollen Sie als Coach agieren, zum Feel Good Manager werden, Händchenhalter sein, Motivator, Kummerkasten und was weiß ich nicht alles. Im Grunde soll aus diesen Mitarbeitenden die eierlegende Wollmilchsau werden. Sind Sie dieser schon einmal live begegnet? Ich zumindest nicht – und genauso sollten wir uns auch von dem Gedanken verabschieden, dass Führungskräfte zu Generalisten werden. Denn wie bitte sollen sie als Coach die Leistung beurteilen, wie sollen sie als Motivator sagen, dass die Krankmeldungen überhandnehmen, wie sollen sie als Kummerkasten den Mitarbeitenden sagen, dass das Gejammer nervt … Sie wissen, worauf ich hinauswill. Wer also ist dieser Mitarbeitende, der jetzt führen soll – Führungskraft, allwissendes Genie, Fußabtreter, Mentor?

Will ich aus voller Überzeugung heraus Führungskraft sein? 

Heruntergebrochen heißt gute Führung nichts anderes als definierte Ziele und Ergebnisse zu erreichen, und das mit den Menschen, die es zu führen gilt. Jeder Mensch, der sich darauf einlässt, muss sich darüber im Klaren sein. Deshalb lautet die entscheidende Frage: Will ich das? Will ich Führungskraft sein? Die meisten Menschen sagen dazu nein, das zeigt auch eine Umfrage der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2021. Hier geben nur 14 % an, dass sie in eine Führungsposition möchten. Übrigens führen dort auch 29 % der Befragten an, dass Empathie eine der Top 5 Qualitäten guter Leader ist, was zeigt, wie „bahnbrechend neu“ die obigen Erkenntnisse sind. Doch zurück zum Thema. Bevor Sie im Unternehmen einen Mitarbeitenden in eine Führungsposition heben und mit schönen Versprechungen und mehr Gehalt locken, sollten sowohl Sie als auch der betreffende Mitarbeitende darüber nachdenken, ob er oder sie wirklich die richtige Person dafür ist. Denn wenn es nicht passt, ist der Schaden am Ende groß. Doch auch solche, die bereits Führungskräfte sind, sollten sich fragen, wie sie ihre Rolle ausfüllen. Ist doch alles eine Frage der richtigen Methode, oder? 


Und ewig locken die Methoden

Wir Menschen lieben Methoden! Wir suchen nach Methoden, damit wir schneller einschlafen können, unseren Müll einfacher trennen und im besten Fall noch Kind und Hund das machen, was wir wollen. In der Führung sind Methoden Handwerkszeug: Zeitmanagement, agiles Führen, Prioritäten setzen – alles Dinge, die Führungskräfte beherrschen müssen. Das ist schön und gut, allerdings lösen die Werkzeuge nicht das grundlegende Problem. Es hilft nichts, wenn Eimer aufgestellt werden, aber das Loch im Dach nicht repariert wird. Haben Führungskräfte den Fokus nur auf neuen Methoden, steht das Haus irgendwann unter Wasser. Die Zeitenwende in der Führung verlangt nach neuen Kompetenzen, die sich vor allem auf kommunikative, soziale und persönliche Aspekte beziehen. 

Buzzword-Bingo statt Wirksamkeit

Kommen wir nochmal zurück zu unserem Heinrich Grünschnabel, der mit seinem frischen Masterabschluss als Führungskraft ins Unternehmen kommt. Und dann steht er vor versammelter Mannschaft und sagt: „Also das Mindest in der Abteilung ist geprägt von einer Effizienzablehnung, ihr müsst dringend an euren Personal Skills arbeiten, damit die strategischen und operativen Ziele des Joint Ventures, einschließlich der geplanten Synergien, umgesetzt werden.“ Stolz schaut er in die Runde … keiner hat verstanden, was er meint. Und ich erlebe, dass es in vielen Unternehmen so läuft. Wer die besten Buzzwords hat, mit den kompliziertesten Formulierungen um sich wirft und dann den Mitarbeitenden etwas von KPI und OKR erzählt, gewinnt. Nehmen Sie bitte alle hochtrabenden Formulierungen und neumodischen Begriffe und werfen Sie diese in den Bullshit-Häcksler. Denn: Menschen führen Menschen. Worauf es wirklich ankommt, ist ein Rückbesinnen auf das Wesentliche. Die Komplexität muss verschwinden. Es geht um Führung und Persönlichkeit in einer kausalen Abhängigkeit zu allen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Abschließend möchte ich daher die Frage, was Führungskräfte wirklich erfolgreich macht, einfach und radikal beantworten, ganz ohne Empathie-Schi-Schi und Buzzwordgetue: Kennen Sie Ihre Rolle, stehen Sie Ihren Mitarbeitenden nicht im Weg und seien Sie kein A...loch – so einfach kann es sein. 



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